Freund*innen erkennen

Ich bin seit ein paar Tagen in Hanoi und weil ich vermutlich noch länger hier bleiben werde, plane ich hin und wieder zu meinem Aufenthalt zu bloggen. Ich beginne damit, wie ich wegen des autoritären Regimes meine Freund*innen erkennen musste – die ersten Gehversuche mit dem vietnamesischen Internet.

Seit 1989 stellt die Kommunistische Partei Vietnams das Land von einer reinen Planwirtschaft auf eine Sozialistische Marktwirtschaft um, das hat dem Land hohe Wachstumsraten beschert. Die 90 Millionen Einwohner*innen verfügen über 3,5 Millionen Mobiltelefone und 5 Millionen Internetzugänge. In der Hauptstadt Hanoi sind das meistens ADSL-Anschlüsse, die einen mittleren Surf-Komfort bieten. In den meisten Hotels und in vielen Westler-Cafes gibt es kostenlose WLAN-Hotspots. Viele Hanoians besuchen die offensichtlich immer überfüllten Internetcafes.

Feinde des Internets

Vietnam befindet sich auf der Feinde-des-Inernets-Liste von Reporter ohne Grenzen. Für den ganzen Internetverkehr des Landes kommt ein Filtersystem (Vietnam Data Communications) zum Einsatz, mit dem die autoritäre Führung ihr Informationsmonopol aufrechterhalten will. So musste ich bei meinen ersten Gehversuchen feststellen, dass Facebook hier seit Anfang 2010 gesperrt ist. Ich wollte meine Freund*innen über diese Plattform von der geglückten Ankunft in Hanoi informieren.

Mit einer kurzen Google-Abfrage erfuhr ich, dass die Sperre durch eine direkte Verbindung mit einem Proxy-Server im Ausland umgangen werden kann. Leider war ich unvorsichtig und geriet an einen Gratis-Anbieter, der meine Zugangsdaten auspähte, um sie zu mißbrauchen.

Als ich mich Minuten später in Facebook einloggen wollte, war mein Account bereits wegen „ungewöhnlicher Anmeldeversuche“ gesperrt. Auch der Zugang mittels Sicherheitsfrage war wegen mehrmaliger erfolgloser Versuche von einem ukrainischen Rechner deaktiviert.

Freund*innen erkennen

Doch Facebook hat mit einem interessanten Feature vorgesorgt. Die Wiederherstellung des Zugangs ist möglich, wenn man ein paar Freund*innen wiedererkennt, die Facebook einem anzeigt. Die gute Nachricht: ich habe alle acht Personen erkannt, obwohl ich viele Freundschaftsanfragen von Personen bestätige, die ich nicht persönlich kenne. Was das Ganze erleichtert hat: Die Abfrage ist ein Multiple-Choice-Test, Facebook schlägt jeweils sechs Namen als Antwort vor.

Jetzt habe ich einen bezahlten Proxy und bin froh, dass ich für unterschiedliche Internet-Services unterschiedliche Passwörter verwende.

4 Gedanken zu „Freund*innen erkennen“

  1. Das erinnert mich an ein Erlebnis im Urlaub. Facebook sagt mir ich melde mich aus einem anderen Land als üblich an, daher soll ich beweisen, dass ich es bin.

    Dann auch der von dir beschriebene Test, zuerst wollten sie persönliche Daten abfragen. Da die alle frei erfunden sind hatte ich keine Ahnung.

    Dann der „kennst du deine Freund_innen“ Test. Da viele meiner „Freund_innen“ irgendwelche Profilbilder haben und kaum wer echt Fotos bin ich auch da gescheitert. Den ganzen Urlaub lang glaubte ich dann nie mehr Facebook nutzen zu können..

    In Österreich klappte es aber wieder ohne Probleme. Im übrigen bin ich aber ohnehin der Meinung, dass Faceboo, überbewertet wird. Join Diaspora ! 🙂

    Hab eine super Zeit und ich freu mich auf deine Blog Beiträge.
    liebste Grüße aus Wien und bis bald am Brunnenmarkt!

    die homosexuelle ältere Frau 😛

  2. @Martina Für eine Maske bin ich zu eitel. Und mit dem Verkehr komme ich bis jetzt recht gut zu Rande. Ich habe mir auch schon ein grünes Fahrrad angeschafft. Aber dazu vielleicht mehr in einem späteren Bericht.

  3. phillip, wie kommst du mit dem verkehr in hanoi zurecht, mich hat das ganz nervös gemacht. und trägst du eine feinstaubmaske wenn du raus gehst?

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