Internetzugang

Ein Workshop für Sichtbar werden konfrontierte mich mit einer banalen Realität: Nicht jede*r in Österreich hat Internetzugang. Eine Landkarte könnte etwas helfen.

Letzte Woche habe ich die Leute von Sichtbar werden kennen gelernt. Sichtbar werden ist ein Programm der Armutskonferenz mit dem Ziel, Armutsbetroffene bei der Selbstorganisation zu unterstützen. Dieses Frühjahr geschieht dies in Form einer Workshop-Reihe. Ich wurde zum Thema „Organisieren im Web 2.0“ eingeladen.

Bei der Vorbesprechung mit einigen Teilnehmer*innen klärten wir die Erwartungen an den Workshop und planten den Ablauf. Dabei wurde ich mit einer banalen Realität konfrontiert, die ich aus den Augen verloren hatte: Hier saßen Leute und planten einen Internet-Workshop, die keinen Computer besitzen und keinen Internetzugang haben. Das sind Aktivist*innen, die Flash-Mobs organisieren, Vereine gründen und auch sonst ziemlich widrige Umstände meistern – aber für das Abrufen einer Email müssen sie jemanden um Hilfe bitten.

Abgedroschenes Problem

Ende der Neunziger wurde das Internet als Katalysator für politische Öffentlichkeit und Partizipation diskutiert. In keiner dieser Debatten durfte der Hinweis auf Zugangsbeschränkungen fehlen, was das Thema irgendwie unsexy werden ließ. Bei SOS Mitmensch haben wir 1999 in der Wiener Zollergasse das Dock eingerichtet, ein Gassenlokal in dem Asylsuchende kostenlos ins Internet konnten. Zu Spitzenzeiten standen über 15 Terminals dort. Doch schon einige Jahre später ließ das Interesse nach und ab 2005 bezog Ute Bock den Raum. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich nochmals auf diese Weise mit dem Thema konfrontiert werde.

Acht von zehn Haushalten waren 2012 laut Statistik Austria mit einem Internetzugang ausgestattet (79%). In 77% aller Haushalte gibt es sogar eine Breitbandverbindung. 82 % der Bevölkerung haben 2012 einen Computer genutzt und 80 % sind in diesem Jahr ins Internet eingestiegen. Die Aufschlüsselung der Statistik Austria bildet aber vor allem Alter als Barriere ab. Um die Auswirkung von Einkommen und Vermögen darzustellen, müssten wohl viel kürzere Intervalle abgefragt werden.

 

Internetzugang in Österreich

Workshop

Für den Workshop wünschten sich die Teilnehmer*innen auch eine Beschäftigung mit eingeschränktem Internetzugang. Und so nahmen wir die Erstellung einer Landkarte des kostenlosen Internetzugangs ins Programm. Für gratis WLAN gibts ja schon einige solcher Karten (siehe unten), doch für Surfer*innen ohne eigenen PC wurden wir nicht fündig. Das Ergebnis kann sich weder vom Umfang noch von der Aufmachung her nicht wirklich sehen lassen. Im Vordergrund stand das gemeinsame Erarbeiten.

Aber bei entsprechender Resonanz würde ich der Landkarte noch etwas Zuwendung schenken. Vermutlich würden auch einige Leute von Sichtbar werden mitmachen. Insbesondere scheint mir eine bessere Aufbereitung der Daten, die Recherche von Öffnungszeiten und Nutzungsbedingungen sowie eine umfassendere Auflistung sinnvoll.

Fragen

Wer kennt noch Orte, die man eintragen könnte/sollte?

Welche Plattform würde sich für eine dezentrale und übersichtliche Aufbereitung eignen?

Wlan-Karten

http://www.wlanmap.com
http://www.helge.at/wlan/
http://www.openwlanmap.org

1 Gedanke zu „Internetzugang“

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