Mann muß wieder mehr auf Bevölkerung hörn

Immer wieder wird die Forderung laut, die Politik müsse mehr auf die Bevölkerung hören. Ich halte davon wenig, denn ich bin ein Demokrat.

Gestern fuhr ich mit der U-Bahn zur Arbeit. Beim Umsteigen am Westbahnhof ist immer ein ziemliches Gedränge. Ich stieg auf die Rolltreppe, die zur U3 runter führt und las weiter in der zusammengefalteten Zeitung. Als ich einen Stoß von hinten spürte, drehte ich mich um, um zu sehen, ob sich jemand an meinem Rucksack zu schaffen macht. Dicht hinter mir stand ein Ehepaar, dass sich ausgelassen auf türkisch unterhielt. Als ich mich umdrehte zuckte der zuvor noch fröhliche Mann richtiggehend zusammen und raunte mit demütiger Stimme: „Wir waren zu laut, Entschulgigung!“

Nie gehört.

Wie es zu dieser unterwürfigen Haltung kommt, erklärt vielleicht eine andere kleine Episode, die eine dunkelhäutige FreundIn erzählte. Eines Tages studierte sie in einem Drogeriemarkt die Informationen auf einer Produktpackung. Da erschien eine Verkäuferin, riß ihr den Artikel aus der Hand und herrschte sie an: „Kaufen, nicht lesen!“

Dass dieser Vorfall kein Einzelfall ist, zeigt die jüngste Wertestudie. 55 Prozent der ÖsterreicherInnen sind ihr zufolge fremdenfeindlich. Was die feindliche Stimmung bei den AdressatInnen auslöst, darüber kann sich jede/r im Bekanntenkreis ein Bild machen, sofern er/sie  sich nicht in eine übersichtlich weiße Parallelgesellschaft zurückgezogen hat. In Wien sollte statistisch gesehen jede/r dritte FreundIn aus dem Ausland stammen.

Wer ist die Bevölkerung?

Gemeint ist  mit der Forderung nach mehr Gehör für die Bevölkerung, die Parteien sollen dem fremdenfeindlichen Ressentiment mit noch mehr harter Fremdenpolitik Rechnung tragen. Dabei ist Xenonphilie ohnehin nicht übertrieben in der Offensive. Die Bundes-SPÖ hat sich längst entschieden, ihre WählerInnen nicht mit allzu fortschrittlicher Politik zu irritieren.

Und auch die Grünen wollen wegen des Vorwurfs „die Probleme nicht anzusprechen“ keine Stimmen mehr verlieren und fordern schon mal die pädagogisch/didaktisch vollständig wertlosen Zwangs-Deutschkurse. Aber warum soll das nun undemokratisch sein, wenn sich die Mehrheit durchsetzt?

Was ist demokratisch?

Wer sagt, man müsse der Bevölkerung wieder mehr zuhören, meint damit in aller Regel die weiße Mehrheit. Noch dazu gerade jenen Teil der Mehrheit, der Wut und Frustration auf „Ausländer“ richtet, statt auf die politischen und wirtschaftlichen Eliten, deren jahrelanges Versagen schuld daran ist, dass immer weniger Menschen ein gutes Leben führen können. Ganz sicher ist damit nicht jener Teil der Bevölkerung gemeint, der von uns systematisch von politischen und sozialen Rechten ausgeschlossen wird, weil wir die eigenen Privilegien nicht gefährden wollen. Das ist nicht Demokratie.

2 Gedanken zu „Mann muß wieder mehr auf Bevölkerung hörn“

  1. „eine dunkelhäutige FreundIn“ also…schau schau, die ist also Freund und Freundin zugleich.
    Wird wohl ein Tippfehler sein, kommt höchstwahrscheinlich von zu verbissenem Gendern…:-)
    Ansonsten sieht man abgesehen von einem Rechtschreibfehler das übliche Schriftbild eines Gutmenschen, der leider für einen Verein namens SOS Mitmensch steht.
    Schade, ich würde gerne solche Vereine unterstützen, aber es wird nur allzu oft klar, welche Geisteshaltung die Macher solcher Vereine haben…verbissen in eine Richtung, die natürlich diametral zu der eines H.C.Strache stehen muss.
    Xenophilie ist genauso wenig hilfreich wie Xenophobie !

  2. das ausländer nur als opfer oder täter vorkommen, ist dir ja wohl nichts neues
    mir erklären sogar in österreich lebende ausländer, dass sie was gegen ausländer haben, so weit reicht die hetze schon
    ausländer passen einfach nicht in die köpfe der österreicher, da hat nur die welt platz, die uns die kronenzeitung vorgaukelt
    um zu verstehen, dass die welt größer ist, als hans dichand sie uns vorgaukelt (und nach seiner pfeife tanzt die politik)braucht es mehr als einen fünfzeiler über die letzte einbruchsstatistik, in der uns die polizei erklärt, dass 60 prozent aller straftaten von ausländern begangen werden – und das, obwohl sie es nur schafft, insgesamt sechs prozent aller einbrüche aufzuklären

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