poolbar-Festival startet

Ende Woche, am 1. Juli, startet in Feldkirch das 18. poolbar-Festival. Ich war in den 90ern als Geschäftsführer beim Aufbau beteiligt und bin dem einzigartigen Festival bis heute sehr verbunden. Auf Wunsch der poolbar-Leute habe ich fürs heurige Programm-Magazin in der Erinnerung gekramt und drei Anekdoten notiert; wie das alles früher so war.

Das poolbar-Festival findet seit 18 Jahren jeden Sommer im Alten Hallenbad in Feldkirch statt.
Das poolbar-Festival findet seit 18 Jahren jeden Sommer im Alten Hallenbad in Feldkirch statt. Die Lage in einem Park und die Atmospähre des Gebäudes tragen viel zum speziellen Reiz des Festivals bei.

Zwischen 6. und 12. Juli werde ich selbst in Vorarlberg sein. Am 6. spielen meine Jugendhelden dEUS und am 12. wird der Ute-Bock-Film gezeigt. Im Anschluss führe ich mit Kerstin Vogg vom „Gallierdorf Röthis“ ein Gespräch über Abschiebungen und den Widerstand dagegen.

Doch hier nun meine Erinnerungen für die Volljährigkeitsnummer:

 

***

Den Sternen geht das Licht aus

Hunderte Gesichter leuchten hell. Es ist 1997, und Die Sterne aus Hamburg spielen im pool. Eine Sensation. Plötzlich geht das Licht aus: Stromausfall. Die Leitungen des Alten Hallenbades sind dem Energiebedarf einer Rockband noch nicht gewachsen. Die Musiker witzeln. Auch noch beim zweiten und beim dritten Mal.

Schon erstaunlich: Ein paar Jugendliche reißen sich ein verwahrlostes Gebäude unter den Nagel und locken internationale Stars nach Feldkirch. 1996 überwältigten die Belgier dEUS die Musikwelt mit ihrem Debütalbum „Suds & Soda“ und die poolistInnen mit einer Zusage auf ihre freche Anfrage. Davon beflügelt, stimmen die euphorischen Jugendlichen von damals auch den ihnen zunächst unerfüllbar scheinenden Bedingungen der DJ-Stars Kruder & Dorfmeister zu: einen Flug von Wien nach Altenrhein.

***

Tom Turbo, Leistungskataloge und
zwei verschwundene Vereinskassiere

„Früher war’s besser“ lautete das poolbar-Motto 2002. In den ersten Jahren war tatsächlich alles leger. Mit der Besorgung alter Möbel bei der Caritas waren die Vorbereitungen im Prinzip erledigt. Gäste standen hinterm Tresen und schenkten Getränke aus. Alle fühlten sich wild. Der poolbar-Drink „Tom Turbo“ wurde erfunden. Ein genaues Rezept gab es nie. Oft verwendete Zutaten: etwas Orangensaft, etwas Red Bull, etwas weißen und etwas roten Wodka.

Die Besucherzahlen stiegen stetig, und 1999 kommt der Crash: sechs Vereinsvorstände Mitte Zwanzig stehen mit 500.000 Schilling Schulden da. Und der Kassier ist nach Thailand abgehauen. Da entscheidet sich das poolbar-Festival, von nun an nicht nur alternativ, sondern auch professionell zu sein. Die Zeit der Tabellenkalkulation bricht an: „Leistungskataloge“ für BereichsleiterInnen und Kostenstellen für die Budgetplanung werden eingeführt. Doch der poolbar gelang es nie, ein ödes Funktionierer-Festival zu werden.

Zwei Jahre später verschwand der nächste Vereinskassier. Und noch heute schlägt einem hinter den Kulissen der herbe Charme der Verausgabung entgegen. Wo so viel aus so wenig gemacht wird, sind keine Professionals am Werk, sondern junge Menschen, die sich für ihre Ideen ausbeuten und dabei viel gelernt haben. Der Markt kann und die Politik will nicht die erforderlichen Mittel für ein so cooles Festival wie die poolbar aufbringen.

***

Herwig Bauer ist ein Team

Schon mal ein Innenpolitik-Interview mit fünf verschiedenen Leuten gelesen? Eben. Zeitungen wollen auf ein Gesicht zuspitzen, verteidigt sich Herwig. Auf der montäglichen Teamsitzung irgendwann in den 90ern wird das Wann & Wo herumgereicht: zwei Seiten Interview mit Fotos vom poolbar-Gründer. Manche aus dem Team sind sauer. Hätten sie nicht auch etwas von der verdienten Anerkennung abbekommen sollen? Alle haben sich abgerackert und sind müde.

Herwig hat das Festival gegründet und über die langen Jahre viel Kraft hineingesteckt – niemand wird so mit dem poolbar-Festival identifiziert wie er. Phasenweise war der Gründer bereit, wirklich loszulassen; doch meist fand sich dann niemand anderes mit so breiten Schultern. Erst später haben Heike und Herwig aus dem Verein eine GMBH gemacht und klarere Verhältnisse geschaffen.

Dabei ist die poolbar ein Gemeinschafts-Projekt geblieben. Ein Festival, das sich grafisch, musikalisch und architektonisch jedes Jahr neu erfindet, kann nur in Teamarbeit organisiert werden. Während fast zwei Jahrzehnten haben immer wieder aufopfernde und treue poolistInnen ihre Kraft und Inspiration in das Festival gesteckt. Und das sieht man.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.