Neu in Hanoi

Ich melde mich zurück und kann berichten: Hanoi wird auch nach dem fünften Besuch nicht fad. Über ein „ehrliches“ Polizeimuseum und was sich sonst gerade tut. Fünf Kurzmeldungen für Reisende und Interessierte.

Geschirrverkäuferin in der Altstadt von Hanoi
Geschirrverkäuferin in der Altstadt von Hanoi.

Marktfrauen mit Kegelhut und wippender Last auf drahtigen Schultern. Fahrräder und Mopeds, die wie Sand ineinander fließen, dahinter Bauten im französischen und chinesischen Stil. Viele Szenen dieser schönsten Stadt der Welt sind von ikonischer Qualität.

Hanoi ist eine Überlebende aus einer anderen Zeit. Und rasend verwandelt sie sich in eine asiatische Metropole.

1. Ein ehrliches Polizeimuseum

Uniform der "Mobilen Einheiten" in der vietnamesischen Polizei im Polizeimuseum von Hanoi.
Uniform der „Mobilen Einheiten“ in der vietnamesischen Polizei im Polizeimuseum von Hanoi.

Wie alle Museen in Vietnam widmet sich auch das Polizeimuseum dem glorreichen Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes sowie dem segensreichen Wirken der kommunistischen Partei. In dieser Einrichtung erfolgt die Würdigung unter spezieller Berücksichtigung der Hanoier Polizei. Das merkwürdige Ergebnis dieser unverblümten Propaganda: die Ausstellung ist irgendwie ehrlich. Der Verfolgung von Konterrevolutionären wird breiter Raum eingeräumt und die Exekution von Funktionären der Nationalpartei im Jahre 1945 zu so etwas wie dem Gründungsakt der Polizei Vietnams stilisiert.

Die Ausstellung besteht aus vielen Fotografien, einigen Artefakten und wenigen, erläuternden Texttafeln. PolizeianwärterInnen führen BesucherInnen in fließendem Englisch durch die zeitlich gegliederten Abschnitte des Hauses und beantworten auch detaillierte Fragen ziemlich offen. Nicht ohne jedoch darauf zu vergessen, die offiziellen Losungen einzuflechten.

Der Eintritt ist frei, für Hanoi-Neulinge bietet sich an, das Polizeimuseum mit einem Besuch im Hoa-Lu-Prision gleich um die Ecke zu verbinden.

Adresse: 67 Ly Thuong Kiet Street, Tran Hung Dao Ward, Hoan Kiem District, Hanoi 10000, Vietnam
Öffnungszeiten: So bis Sa, 8 bis 17 Uhr
Telefon: +84 4 3939 6941
Website: http://baotangcongan.hanoi.gov.vn

2. Für Foodies: Pho Tron und Japanisch im Geschichtsmuseum

Das vegetarische Oroshi Soba im Soba.Cafe beim Geschichtsmuseum Hanoi.
Das vegetarische Oroshi Soba im Soba.Cafe beim Geschichtsmuseum Hanoi.

Neben der Nationalspeise Pho – eine Reisnudelsuppe – ist Bun Cha für viele das typische Hanoier Gericht. Gegrillte Stücke von Schweinebauch und -faschiertem in einer süß-fischigen Sauce, kombiniert mit Nudeln und Kräutern. US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Staatsbesuch im Frühjahr eine Garküche aufgesucht und diese Mahlzeit zu sich genommen. Den Laden kennen jetzt alle als „Bun Cha Obama“. [1]

Richtig Furore macht derzeit aber ein anderes Gericht, nämlich Pho Tron. In Wien kennt man eine ähnliche Speise unter dem Namen Bun Bo. Dabei handelt es sich um eine lauwarme Reisnudelsuppe ohne Suppe. Die Nudeln kommen mit Fleisch, einer Sauce, Nüssen und Kräutern. Gibts fast überall.

Beim Besuch des Geschichtsmuseums sollte man unbedingt ein Päuschen im Soba.Cafe einplanen. Dort gibt es unglaublich fantastische Suppen. Wer schon im Museum war, sollte sich trotzdem auf den Weg machen. Ich kann für das Buta Kakuni Soba (Gekochtes Schweinefleisch) sowie das vegetarische Oroshi Soba (Gemüse) die Hand ins Feuer legen.

Adresse: 1 Pham Ngu Lao, Hoan Kiem, Hanoi
Öffnungszeiten: 07 bis 22 Uhr
https://www.facebook.com/Sobacafe.com

3. Kühne Pläne zur Verkehrsberuhigung

Wer das Gewusel im vietnamesischen Verkehr kennt, wird sich die Augen reiben. Die Straßen um den Hoan-Kiem-See sind jetzt Samstag und Sonntag sowie Freitag Abend frei von motorisiertem Verkehr. Noch vor sieben Uhr früh rollen Hunderte ihre Mountainbikes auf die Straße, ziehen zwei Runden um den See und nehmen dann am Straßenrand einen Tee zu sich. Sie teilen sich den neuen Platz mit AnhängerInnen anderer Sportarten: Schnell gehen, Tai Chi, Gewichtheben, Tango und andere Tanzgruppen. Um acht ist der Spuk vorbei.

Nach Sonnenuntergang nutzen Familien die Gunst der kühlen Stunde. Auch Kleinkinder, die tagsüber vor Hitze und Lärm versteckt werden, haben jetzt Ausgang.

Treibende Kraft hinter dieser Änderung ist angeblich der neue Parteisekretär von Hanoi, Hoang Trung Hai. Die Verkehrsberuhigung ist Teil eines aberwitzig ambitionierten Plans, Hanoi bis 2025 frei von Benzin-Motorrädern zu machen. Kühne Vorhaben der Verkehrsberuhigung, wie sie offenbar nur in Autokratien möglich sind.

4. Großzügige Sperrstunde

Fixie in Hanoi
Fixie in Hanoi

Der selbe Parteimanager, Hoang Trung Hai, war es auch, der dem Vernehmen nach neue Sperrstunden für Lokale durchgesetzt hat. Bei meinem ersten Besuch 2011 war Hanoi um 23 Uhr menschenleer, die Rollbalken dicht. Die offizielle Sperrstunde ident mit der Ausgehstadt meiner Jugend, Feldkirch. 24 Uhr.

Seit 1. September soll nun Haligali bis zwei Uhr das Partyvolk aus aller Welt anlocken. Für die Jungen von Hanoi ändert sich wenig. „Die Feten sind hinterm Rollbalken weiter gegangen. Mit einem Anruf nach drinnen hat man sich auch vor dem neuen Gesetz Zugang zum Nachtleben verschafft“, erzählt Hang, 27 Jahre.

Doch das Straßenbild insgesamt ändert sich. Männer tragen kurze Hosen, Elektromopeds verdrängen die Fahrräder der SchülerInnen, vereinzelt tauchen bunte Fixies aus China auf. Cafés sprießen an allen Straßenecken, hip wie man sie in Berlin oder Manhattan finden kann. Vereinzelt hat sich Clubkultur etabliert.

Öffnungszeiten: 20 Uhr – spät
Adresse: 42 M Yen Phu, Ba Dinh District, Hanoi
Telefon: +84 98 926 4242
https://www.facebook.com/Heroclubhanoi

5. Schick Dinieren mit Ausblick

Cau Go Restaurant. Bild: caugorestaurantblog.wordpress.com
Cau Go Restaurant. Bild: caugorestaurantblog.wordpress.com

Der Ausblick selbst ist nicht neu, aber ein weiteres Restaurant, das nun mit ihm wirbt. Für ein Abendessen mit vietnamesischer Küche in Weltstadt-Ambiente und mit Blick auf den Hoan-Kiem-See – dafür bietet sich derzeit das Cau Go im Highlands-Gebäude an.

Der Blick ist außerordentlich, das Essen überdurchschnittlich, Einrichtung und Service wollen ein Tick zu viel, doch das machen die moderaten Preise wett.

Das Cau Go bezieht seinen Namen von einer Straße hinterm Highlands-Gebäude und bedeutet Holzbrücke. Früher bestanden Teile der Altstadt aus heute trocken gelegten Seen. Die Cau Go war eine Holzbrücke, die den Hoan -Kiem-See und weitere Gewässer durchzog.

Adresse: 73 Cau Go Street, Hoan Kiem, Hanoi, Vietnam
Telefon: +84 4 3926 0808
Website: http://www.caugorestaurant.com

6. Alt aber gut: Daten-Flat

Das Angebot an SIM-Karten und Paketen ist in Vietnam breit gefächert. Ich brauche eine Karte die nicht abläuft, mit einer ordentlichen Daten-Flat und wenig Sprachguthaben.

Bislang habe ich immer das BMIU-Paket von Mobifone gekauft. Es kostet inklusive Karte 250.000 VND (ca. 10 Euro) und hat 3 Giga Daten für einen Monat bei 256kb. Bei überschreiten des Datenlimits wird die Geschwindigkeit auf 56kb reduziert.

Nun bin ich in Hanoi auch erstmals an einen englisch sprechenden Verkäufer geraten. Ein kleiner Luxus, wenn man sich bereits für einen Tarif entschieden hat. Denn in den meisten Shops ist es üblich, dass die Karten gleich eingelegt und fertig eingerichtet werden.

Mobifone Shop im International Post Office
Adresse: 7 Dinh Tien Hoang, Hoan Kiem, Hanoi, Vietnam

 

Fussnoten
  1. Das beste Bun Cha gibts nach wie vor in der Hang Than Nummer 41 bei „Thuyet“. []

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