Ich gelobe

Ich kann dem Vorstoß von Gernot Blümel was abgewinnen.

Gernot Blümel schlägt einen täglichen Fahneneid an Österreichs Schulen an.
Gernot Blümel schlägt einen täglichen Fahneneid an Österreichs Schulen an.

Im Kurier regt der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel einen täglichen Treue-Eid auf die Republik in den Schulen an.

„Ich bekenne mich zur Republik Österreich und ihrer Verfassung und achte die österreichischen Gesetze und Grundwerte – um unsere Freiheit und ein friedliches Miteinander zu sichern! Mann und Frau sind in Österreich gleichgestellt und jeder Mensch hat das Recht sein Leben selbstbestimmt zu gestalten.“

Tatsächlich könnte ein Ritual nicht schaden, mit dem das Commitment zu den Grundregeln unseres Gemeinwesens  gestärkt wird. Persönlich finde ich auch ein Bekenntnis zur Republik sympathischer als eines zur Nation Österreich. Während die Nation ständig kulturell-emotional überladen wird, hat der Terminus der Republik den vertrocknet müden Charme einer Gebietskörperschaft.

Allerdings ist der Vorschlag in der Blümel-Variante doch ziemlich verunglückt.

  • Ein täglicher Fahnen-Appell in der Schule findet man nicht nur in den USA, sondern auch in Diktaturen wie China. Kein Zufall, dass der täglichen Indoktrination von Minderjährigen ganz unabhängig vom Inhalt etwas Totalitäres anhaftet.
  • Wenn schon, denn schon: Statt einem Bekenntnis zu irgendwelchen nebulosen „Grundwerten“ hätte eines zu Demokratie und Menschenrechten eine gewisse Handfestigkeit. Um zu bestimmen, was ein Menschenrecht ist und was nicht, gibt es gerichtliche Verfahren. In Werte kann jede/r alles hineininterpretieren.

Warum aber nicht ein Fest für alle 16-Jährigen, bei dem sie ihren Einstand ins wahlfähige Alter zelebrieren. Anstatt eines Eides findet sich bestimmt ein zeitgemäßes Ritual, mit dem die Jugendlichen sich zum Gemeinwesen bekennen können.

Erwartungen dämpfen

Dass man sich von einem solchen Bekenntnis nicht allzu viel erhoffen sollte, dafür ist allerdings die Partei Blümels selbst das beste Zeugnis. Den Ruf nach einer verfassungswidrigen Kürzung der Mindestsicherung oder den miesen Frauenanteil in der Oberösterreichischen Landesregierung konnte auch der Republiks-Eid ihrer AmtsträgerInnen nicht verhindern. Vielleicht ist das ganze ja doch einfach nur eine ganz schlechte Idee. 🙂

1 Gedanke zu „Ich gelobe“

  1. Nette, Vorschläge, Philipp. Ich bin verblüfft, wie phantasielos das Thema auf politischer Ebene diskutiert wird. Anstatt eine Vision zu entwickeln, wie wir aus der fordernden Situation einen Nutzen für die EU udn alle Mitglieder entwickeln können, vergraben sich die Kleingeister in ihren nationalstaatlichen Schrebergärten. Schauerlich und desillusionierend. (Aber vielleicht hatte eh nur ich mir Illusionen gemacht…)
    Danke, Philipp.

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