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	<title>PHSBLOG.AT - Philipp Sonderegger&#039;s politischer Blog. &#187; Republik</title>
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		<title>Mit wem soll man (nicht) reden?</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 15:38:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Soll man Antisemit/innen ausgrenzen oder mit ihnen reden? Es kommt darauf an. Ausführungen zur mangelnden Abgrenzung der Occupy-Bewegung nach rechtsaußen. Gestern habe ich zwei Anrufe erhalten, weil ich von profil zur mangelnden Abgrenzung der österreichischen Occupy-Bewegung von Antisemitismus befragt wurde. Einer der Anrufe verlief sehr konstruktiv und ich nehme das Gespräch zum Ausgangspunkt meine Gedanken [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/mit-wem-soll-man-nicht-reden/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Soll man Antisemit/innen ausgrenzen oder mit ihnen reden? Es kommt darauf an. Ausführungen zur mangelnden Abgrenzung der Occupy-Bewegung nach rechtsaußen.</div>
<div class="vorspann"><span id="more-1854"></span></div>
<p>Gestern habe ich zwei Anrufe erhalten, weil ich von <a title="Profil: Unfreundliche Übernahme" href="http://www.scribd.com/doc/79169231/Unfreundliche-Ubernahme-Occupy-Vienna-auf-rechten-Abwegen-profil22-1">profil</a> zur mangelnden Abgrenzung der österreichischen Occupy-Bewegung von Antisemitismus befragt wurde. Einer der Anrufe verlief sehr konstruktiv und ich nehme das Gespräch zum Ausgangspunkt meine Gedanken noch etwas auszuführen.</p>
<p>Für die Entwicklung einer lebhaften und starken Zivilgesellschaft sind geteilte Erfolgserlebnisse wichtig. Frustration über enttäuschende Erfahrungen wirkt deaktivierend. Ich sehe daher politische Gruppen und NGOs, denen Demokratie ein Anliegen ist, ein wenig in der Pflicht, sich in solche Bewegungen mit ihrer Erfahrung einzubringen. Genauso wie die kritische Öffentlichkeit, die soziale Bewegungen solidarisch distanziert beobachten sollte.</p>
<h4>Zivilgesellschaftliche Verantwortung</h4>
<p>Meiner Beobachtung zufolge ist dies bei der Vorbereitung des internationalen Aktionstages am 15. Oktober nur sehr zögerlich geschehen. NGOs und politische Gruppen sind recht spät auf den Zug aufgesprungen und da war dieser bereits auf Schienen. Andere haben sich schon im Vorfeld abgewandt, weil sie befürchtet hatten, was später eingetreten ist: das Prinzip der Offenheit nach allen Seiten erwies sich als mangelnde Abgrenzung nach rechtsaußen und führte zum Andocken von <a title="Die TAZ über die Zeitgeistbewegung bei Occupy Deutschland." href="http://www.taz.de/!80372/">Antidemokrat/innen</a> und Antisemit/innen.</p>
<p>Höhepunkt einer längeren Serie von &#8220;Missverständnissen&#8221; und fehlender Abgrenzung: bei der Wiener Kundgebung am 15. Oktober marschierten rechte Recken mit, die sich ansonsten im Küssel-Umfeld bewegen. Ein Kundgebungsteilnehmer dieser Gruppe hielt in Szene-Kleidung gehüllt ein gelbes Schild mit der Aufschrift: &#8220;Goldmann sucks&#8221;.</p>
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<h4>Mit allen Lagern Dialog führen</h4>
<p>Nun wurde gegen die in profil publizierten Vorwürfe eingewandt, dass die Occupy-Bewegung nur dann &#8220;Zukunft hat, wenn wir mit allen Lagern in Dialog treten.&#8221; Ich teile diese Aussage nicht, allerdings scheint sie mir den Kern des Problems zu berühren.</p>
<p>Es ist tatsächlich eine grundlegende Anforderung demokratischer Gemeinwesen, dass ihre Mitglieder nicht von Debatten ausgeschlossen werden, die zu verbindlichen Entscheidungen führen. Das Versprechen der Demokratie lautet, dass alle Rechtsunterworfenen den gleichberechtigten Zugang zur Erzeugung des Rechts haben müssen. Dies gilt allerdings nicht für freiwillige Zusammenschlüsse.</p>
<p>Eine soziale Bewegung wird dennoch rein pragmatisch dazu tendieren, durch Breite an Stärke zu gewinnen. Hiefür wird es in irgend einer Weise notwendig sein, in Kommunikation mit jenen zu treten, die es noch zu überzeugen gilt. Man braucht nicht viel Fantasie um sich Settings vorzustellen, in denen sogar Dialog mit Vertreter/innen von menschenverachtenden Ideologien zielführend ist.</p>
<h4>Forum oder Akteur/in?</h4>
<p>In sozialen Bewegungen gibt es gute Erfahrungen mit folgendem Prinzip: Fragen, über die Dissens herrscht werden diskutiert; bei Fragen, über die Konsens herrscht, wird gemeinsam gehandelt. Diese Unterscheidung zwischen reden und handeln &#8211; Forum und Akteur/in &#8211; ist allerdings entscheidend. Denn eine Demonstration ist kein Forum, sie wird (zumindest von außen) als kollektive/r politische/r Akteur/in wahrgenommen. Der Unterschied: es wird angenommen, dass diese/r auf Basis von geteilten Einstellungen handelt &#8211; das Handeln wird daher auch allen Teilnehmer/innen zugerechnet.</p>
<p>Bei der Occupy-Demo am 15. Oktober hat in Wien ein antirassistischer Konsens gefehlt. Ich als Teilnehmer hätte mir deshalb theoretisch den sichtbaren Antisemitismus mancher zurechnen lassen müssen, hätte ich mich nicht davon distanziert. Auch in meinem Umfeld haben sich viele von der Bewegung abgewendet.</p>
<p>Ich bedauere, dass die Auseinandersetzung so spät stattfindet, da viel Frustration abgewendet hätte werden können. Ich hoffe, dass die Occupy-Kräfte, die sich schon früher gerne abgegrenzt hätten, sich nun durchsetzen können. Auseinandersetzungen gibt es <a title="Occupy distanziert sich von Hörmann" href="https://www.facebook.com/franz.hoermann1960/posts/350126158348665">offensichtlich</a> bereits. Mal sehen, wie klar die Worte werden.</p>
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		<title>2011: Demokratischer Aufbruch</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 18:31:42 +0000</pubDate>
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<p><span id="more-1723"></span><br />
1) Die augenscheinlichste Demokratisierung erfasste die arabische Welt. Auch wenn Skeptiker/innen nun zu Recht auf Rückschläge hinweisen &#8211; tatsächlich scheint auch in Nordafrika jene lineare Entwicklung zur liberalen Demokratie Platz zu greifen, die Youssef Courbage und Emmanuel Todd 2008 in ihrem hierzulande kaum wahrgenommenen <a title="Perlentaucher: Die unaufhaltsame Revolution" href="http://www.perlentaucher.de/buch/29252.html">Buch</a> <em>Die unaufhaltsame Revolution &#8211; Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern</em> vorausgesagt hatten.</p>
<p>2) In den USA <a href="http://phsblog.at/vergeltung-fehl-am-platz/">verlor</a> Hoffnungsträger Barack Obama seine Unschuld. Bis zur Tötung Osama bin Ladens bekannte er sich zu multilateralen und menschenrechtlichen Maßstäben. Obama ist Präsident der Supermacht USA. Es war von Anfang an klar, dass dieses rhetorische Commitment in der Praxis nicht einzuhalten ist. Allerdings bedeutet es einen schweren Rückschlag, wenn der mächtigste Mann der Welt zum Bekenntnis zu den Menschenrechten Abstand nimmt.</p>
<h4>Finanzkrise ist Demokratiekrise</h4>
<p>3) In Europa wurde 2011 zunehmend begriffen, dass die &#8220;Finanzkrise&#8221; im Kern eine Demokratiekrise darstellt. Dass die Finanzmärkte so aus dem Ruder laufen konnten, ist ein Ergebnis wirtschaftspolitischer Deregulierung. Ökonomische Eliten hatte sich mit Hilfe ihrer finanziellen Ressourcen exklusiven Zugriff auf politische Entscheidungen verschafft und &#8211; wie Colin Crouch in <em>Postdemokratie</em> beschreibt &#8211; die Regeln zu ihren Gunsten beeinflußt.</p>
<p>Den bislang ergebenen Staatschefs Europas gelang es nach einer Schrecksekunde auch auf zahllosen Gipfeltreffen nicht, die demokratische Kontrolle über die Finanzwirtschaft zurückzuholen. Mangels Durchsetzungskraft verlegte man sich darauf, &#8220;nervöse Märkte zu beruhigen&#8221;. Die Bevölkerungen spüren dieses Machtvakuum und verlieren Zutrauen in die kapitalistische, liberale Demokratie. Die <a title="Autoritarismus: Europäische Wertestudie" href="http://derstandard.at/1318726077049/Politologin-Rosenberger-Steigende-Zustimmung-zum-Fuehrer">Zustimmung</a> zu Autoritarismus steigt in ganz Europa.</p>
<p>2010 und zuvor hatten sich in Europa langsam Ansätze einer neue Politisierungswelle aufgebaut &#8211; man denke an die Pariser Vorstädte oder die unibrennt-Bewegung, die sich von Wien aus über den Kontinent ausbreitete. Heuer, 2011, erfasste die Empörung endgültig die verunsicherten Mittelschichten.</p>
<h4>Zwischen aggressivem late-night shopping und Leithammel-Politisierung</h4>
<p>3) Den britischen Riots im Frühjahr wurde zwar ein politischer Charakter weitgehend abgesprochen. Das &#8220;aggressive late-night shopping&#8221; (© Polizeichef von London) hatte zwar einen politischen Anlass, aber keine systemkritische Stoßrichtung. Die Looters stellten sich tatsächlich nicht in Opposition zur britischen Gesellschaft, sondern wollten mit aller Gewalt an deren zentralen Dimension, dem Konsum, teilhaben.</p>
<p>4) In Stuttgart machen vielfach aus dem etablierten Millieu stammende Bürger/innen erste Bekanntschaft mit Reizgas und Wasserwerfern der Polizei. Dirk Kurbjuweit beschrieb diese politisierten Konservativen in einem <a title="Spiegel: Wutbürger" href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74184564.html">Spiegel-Essay</a> als <em>Wutbürger</em> und entfachte eine nicht abgeschlossene Debatte um die Deutungshoheit darüber, ob es sich dabei nun um egoistische Kleinbürger/innen oder spät-emanzipierte Babyboomer mit Allgemeinsinn handle.</p>
<p>5) Nach Österreich schwappte der Trend zunächst als Pensionist/innen-Politisierung über. Offensichtlich sind in der hiesigen Res Publica Leithammeln wie Hannes Androsch, Erhard Busek oder Anneliese Roher erforderlich, um zivilgesellschaftliches Engagement über die mediale Wahrnehmungsschwelle zu heben. Allerdings zeigten sich bei der Organisation der Kampagnen noch Schwächen. Während die unibrennt-Bewegung bereits einem neuen, unhierarchischen <a title="Das “geheime” Netzwerk der Studierenden" href="http://phsblog.at/das-geheime-netzwerk-der-studierenden/">Selbstverständnis</a> politisch Aktiver Rechnung trug, gelang es den <em><a title="Die Diskussionskultur der Mutbürger" href="http://phsblog.at/die-diskussionskultur-der-mutburger/">Mutbürgern</a></em>, <em><a title="MeinOE" href="http://meinoe.at">MeinOE</a></em> oder dem Bildungsvolksbegehren kaum, dezentrale Beteiligung zu <a title="Die Diskussionskultur der Mutbürger" href="http://phsblog.at/die-diskussionskultur-der-mutburger/">organisieren</a>.</p>
<h4>Change moral focus, new policies will follow</h4>
<p>6) Währenddessen formierte sich an der Wall Street eine Bewegung, die schon durch die Technik des <a title="Wikpedia Human Microphone" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Human_microphone"><em>Human Microphone</em></a> zum Ausdruck brachte, sie werde sich nicht damit begnügen, ihre Anliegen ins repräsentativ-demokratische System zu tragen. Entgegen allen Stimmen, die nach ausformulierten Forderungen und Bevollmächtigten rufen, <a title="G Lakoff: Framing OWS" href="http://www.huffingtonpost.com/george-lakoff/occupy-wall-street_b_1019448.html">sieht</a> Gerog Lakoff die Stärke der Occupy-Bewegung gerade im Umstand, dass sie nicht die politischen Institutionen addressiert, sondern das Wertesystem. Er plädiert dafür, die konservativen Frames anzugreifen und durch eigene zu ersetzen.</p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;">&#8220;<em>It is easy to find useful policies; hundreds have been suggested. It is harder to find a moral focus and stick to it. [...] If the moral focus of America changes, new people will be elected and the policies will follow. Without a change of moral focus, the conservative worldview that has brought us to the present disastrous and dangerous moment will continue to prevail.&#8221; (Georg Lakoff)</em> [tweetbutton]<span class="fb_share"><fb:like href="http://phsblog.at/2011-demokratischer-aufbruch/" layout="button_count"></fb:like></span></p>
<p>7) In Occupy Austria formierten sich neuere Gruppierungen. NGOs und die üblichen Verdächtigen hielten sich weitgehend aus der Organisation heraus. Ein klarer, antirassistischer Grundkonsens fehlte, was zahlreiche Obskurant/innen mit mangelnder Abgrenzung zu antisemitischer Globalisierungskritik auf den Plan rief. Bei der Kundgebung am 15. Oktober marschierten auch mehrere Rechtsradikale mit, die ansonsten beim neonazistischen <a title="Wikipedia Nowotny" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Nowotny">Gedenken</a> an Walter Nowotny oder beim “<a title="DÖW: 8. Mai" href="http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2011_05/wkr_2.html">Totengedenken</a>” am 8. Mai anzutreffen sind. Ein weiterer Demonstrant trug ein gelbes Schild mit der Aufschrift “Goldmann sucks”.</p>
<h4>Beginn einer neu entfachten Auseinandersetzung</h4>
<p>8 ) Zurück zur globalen Perspektive: Während Russlands <em>gelenkte Demokratie</em> seit den Parlamentswahlen im Dezember offensichtlich mit gröberen Erosionen kämpft, gilt in China noch das Primat der Politik über die Ökonomie. Möglicherweise wurde das <a title="Wikipedia: Ende der Geschichte" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Geschichte">Ende der Geschichte</a> zu früh ausgerufen. Es wird nicht laut gesagt, doch das &#8220;kommunistische&#8221; China &#8211; im wesentlichen eine Marktwirtschaft ohne politische Freiheiten -  gilt vielen als Erfolgsmodell.</p>
<p>9) Noch kann niemand das Ausmaß sozialer Verwerfungen in Folge der Krise in Europa und den USA abschätzen. Es gibt Anzeichen für wirtschaftlichen Aufschwung, doch die Pleite eines Landes oder einer Bank mit Systemrelevanz könnte unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Die Aufrüstung der Sicherheitsapparate sowie der ideologischen Arsenale lässt Repression und Abbau von Menschenrechten als die nicht unwahrscheinlichste Anwort der Eliten auf soziale Spannungen erscheinen.</p>
<p>Möglicherweise sind der/die französische, italienische und deutsche Regierungsschef/in bald keine Konservativen mehr. Das könnte den Weg zum demokratischen Umbau der europäischen Institutionen öffnen. Auch wenn es ökonomisch nicht zum Schlimmsten kommt, befinden wir uns am Anfang einer neu entfachten Auseinandersetzung um die Demokratie. Ob sich repressive Kräfte durchsetzen oder emanzipatorische; ob wir Richtung chinesisches Modell gehen, oder in ein demokratischeres Europa &#8211; wir werden sehen.<br />
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		<title>Biber stellt keine besonderen Ansprüche</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 20:52:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine Bloggerin übt unaufgeregte Kritik am identitären Geschlechterschmafu in der Stadtzeitung biber. Das ist ein gutes Zeichen. Der denkwerkstatt-Blog hat heute eine feministische Medienkritik an der Wiener Stadtzeitung biber veröffentlicht. In ein paar Absätzen zeichnet die Autorin allzu platte Geschlechterklischees und homophobe Untertöne in biber nach. Biber ist wegen mangelnder Distanz zu Vorurteilen schon öfter [...]


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<p><span id="more-1701"></span>Der <em>denkwerkstatt</em>-Blog hat heute eine feministische <a title="Denkwerkstatt: Medienkritik biber" href="http://denkwerkstatt.wordpress.com/2011/12/19/medienkritik-biber/">Medienkritik</a> an der Wiener Stadtzeitung <em><a title="Das biber" href="http://www.dasbiber.at/">biber</a></em> veröffentlicht. In ein paar Absätzen zeichnet die Autorin allzu platte Geschlechterklischees und homophobe Untertöne in <em>biber</em> nach. </p>
<p><em>Biber</em> ist wegen mangelnder Distanz zu Vorurteilen schon <a href="http://dastandard.at/1271376006928/Kommentar-Von-Balkanfrauen-und-Schwabomaennern">öfter</a> in Kritik geraten. 2008 hat der <a title="biber: Wenn Ausländer Ausländer hassen" href="http://www.dasbiber.at/content/wenn-ausl%C3%A4nder-ausl%C3%A4nder-hassen">Artikel</a> &#8220;Wenn Ausländer Ausländer hassen&#8221; für viel Zustimmung, aber auch für Kopfschütteln gesorgt. Die aufregende These der vierseitigen Geschichte: nicht nur Österreicher/innen haben Vorurteile. Fotos von stark stilisierten Ausländer-Typen garnierten einen Text, der lediglich verschiedenste Vorurteile aufreihte. Mehr als die ironisierende Klischee-Rundschau wollte der Beitrag nicht.</p>
<h4>Durchatmen für Linksliberale</h4>
<p>Gefallen an dieser Aufbereitung fanden gar nicht einmal sosehr Rechte, solche Vereinnahmungsversuche des Textes blieben meines Wissens aus. Zustimmung wurde zum einen von Migrant/innen geäußert, die sich mit der Darstellung (zumindest der jeweils anderen Gruppe) identifizieren konnten.</p>
<p>Doch auch Linksliberale, denen das ewige Genöle gegen Diskriminierung schon zu viel geworden war, konnten endlich durchatmen. Denn diesbezüglich hatte der Text für viele eine tatsächlich stark befreiende Wirkung. Das bleierne Setting Mainstream &#8211; Böse, Migrant/innen &#8211; Opfer, Gutmenschen &#8211; Moralkeule, war durchbrochen.</p>
<h4>Kein Sozialprojekt</h4>
<p>Der Jugendarbeiter Bulent Öztoplu und Kurier-Redakteur Simon Kravagna waren 2005/06 mit <em>biber</em> an den Start gegangen, um ein Magazin von der 2. Generation für die 2. Generation zu produzieren. &#8220;Das wird kein Sozialprojekt sein&#8221;, hatte Öztoplu das Vorhaben damals charakterisiert.</p>
<p>Als Sozialarbeiter hatte Öztoplu eine ganze Generation Wiener Zuwanderer-Kids geprägt und am Ende doch die Lust an diesem Zugang verloren. <em>Biber</em> sollte marktfähig werden. Als Beweis, dass Migrant/innen mitspielen können und nicht auf Hilfe durch die Allgemeinheit angewiesen sind. <em>Biber</em> wollte Normalität.</p>
<h4>Postmigrantische Gesellschaft?</h4>
<p>Das ist gelungen. Das Magazin der 2. Generation ist heute ein normales Magazin, wie viele andere auch, nicht schlechter und nicht besser als die Mehrheit: etwas lauwarm, sporadisch richtig gut, tendenziell zu unkritisch und immer wieder komplett daneben. <em>Biber</em> stellt keine besonderen Ansprüche, will nirgendwo hin, will einfach nur da sein und ein bisschen unterhalten. Drum finde ich <em>biber</em> nicht gut. Aber ich finde gut, dass es <em>biber</em> gibt.</p>
<p>Nach fünf Jahren gibt der Erfolg dem Unterfangen recht: Migrant/innen sind nicht immer Opfer und nicht immer die Guten. Die unaufgeregte <em>denkwerkstatt</em>-Kritik kommt ohne Verweis auf den Migrationshintergrund der Redakteur/innen aus. Der Beitrag kritisiert, was zu kritisieren ist. Offensichtlich sind wir einer (etwas spröde als &#8216;postmigrantisch&#8217; bezeichneten) Gesellschaft tatsächlich ein Stück näher gekommen, in der der Migrationsfaktor nicht zur alles dominierenden Frage und Erklärung aufgebauscht werden muss.<br />
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		<title>Wenn die Trotteln wütend werden</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 21:12:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn die &#8220;Trotteln&#8221; wütend werden, müssen wir vom hohen Ross herunter. Allerdings nicht um jeden Preis. Wie uns der überraschende Zuspruch zu emanzipativer Politik ein bisschen überrumpelt. Eines hat die Wutbürgerrede von Roland Düringer gezeigt. Es gibt einen Wählerstimmenmarkt für ein linkspopulistisches Projekt &#8211; in oder außerhalb der bestehenden Parteien. Oder wie der Kabarettist selbst [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/wenn-die-trotteln-wutend-werden/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Wenn die &#8220;Trotteln&#8221; wütend werden, müssen wir vom hohen Ross herunter. Allerdings nicht um jeden Preis. Wie uns der überraschende Zuspruch zu emanzipativer Politik ein bisschen überrumpelt.</div>
<p><span id="more-1660"></span><br />
Eines hat die <a title="Youtube: Düringers Wutbürgerrede" href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=zfclpHQ4c8Y">Wutbürgerrede</a> von Roland Düringer gezeigt. Es gibt einen Wählerstimmenmarkt für ein linkspopulistisches Projekt &#8211; in oder außerhalb der bestehenden Parteien. Oder wie der Kabarettist selbst es ausdrückt: &#8220;Offenbar gehen irrsinnig viele Menschen in Resonanz&#8221; mit der dargebrachten Wut.</p>
<p>Ein paar zugkräftige Köpfe wie Düringer würden es mit Hilfe eines professionellen Stabes leicht ins Parlament schaffen &#8211; wenn sie die Stimmung träfen, die auch die Wutbürgerrede zum klingen gebracht hat: zwei, drei Zugpferde, denen die glaubwürdige Aufführung der Wutbürger-Rolle in den TV-Diskussionen gelingt, sie würden jede &#8220;Wahlsendung&#8221; sprengen und die von rechten Parteien getaktete Medienöffentlichkeit gleich dazu.</p>
<h4>Aus dem Herzen gesprochen</h4>
<p>Vielen hat die Rede aus dem Herzen gesprochen; endlich steht da einer von Bedeutung in einem Medium von Bedeutung und bringt die Sache auf den Punkt. Hundertfach wurde sie im Internet geteilt und akklamiert. Allerdings: irgendwann war selbst Gutmenschen wie mir etwas befremdlich, wie frenetisch Düringer mancherorts rezipiert wurde.</p>
<p>Wo Licht scheint, fällt auch Schatten: Robert Misik mokiert sich über die <a title="Misik: Facebook Eintrag Düringer" href="https://www.facebook.com/rmisik/posts/181807025249722">Plattheit</a> des Düringer&#8217;schen Befunds. Der nicht minder geschätzte Niko Alm kam nicht umhin, in einer <a title="Frühschicht" href="http://blog.alm.at/2011/12/14/ich-bin-nicht-wutend/#comment-19664">Frühschicht</a> die inhaltlichen <a title="Niko Alm: Ich bin nicht wütend" href="http://blog.alm.at/2011/12/14/ich-bin-nicht-wutend/">Widersprüche</a> der Rede herauszuarbeiten. Alm schlussfolgert richtig, politisches Engagement sei nötiger den je &#8211; doch das Gesagte beim Wort zu nehmen war vergebene Liebesmüh.</p>
<h4>Stimmungspolitik</h4>
<p>Die Wirkung der Wutbürger-Rede erschließt sich über den emotionalen Gehalt. Das erklärt die heftigen Reaktionen und das Unverständnis für die Haltung des jeweiligen Gegenübers.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist die Wutbürgerrede eine kleine Sensation. Seit Jahren sind progressive Zirkel vom Bedauern eingenommen, dass die eigenen Anliegen nicht mehr mehrheitsfähig sind. Mit Finanzkrise, Empört euch!, Wutbürger/innen und Occupy-Bewegung erreichen unsere Positionen nun eine völlig neue Breite. Und ein Mainstream-Kabarettist zeigt im vorbeigehen, wie eine Brücke zwischen progressiven Anliegen und breiteren Wählergruppen aussehen könnte.</p>
<p>Das tut irgendwie auch weh. Allzu plötzlich wird klar, dass eine solche Brücke sowohl intellektuelle als auch identitäre Abstriche erfordert. Ein solches Projekt können wir weder als redlich noch als cool empfinden. Zuviel Blödsinn wird da zwangsläufig an die Oberfläche gespült. Im Kern ist Düringers Anliegen emanzipatorisch &#8211; doch wieviele seiner Sätze könnten wir tatsächlich unterschreiben? Occupy-Österreich verspricht radikale Systemkritik &#8211; aber müssen die Verschwörungstheorien sein?</p>
<p>Allerdings fürchte ich: Wenn die Massen wütend werden, müssen wir vom hohen Ross herunter. Oder weiterhin allein in Reinheit traben &#8211; und die &#8220;Trotteln&#8221; der FPÖ überlassen. (Nebenenbei: Ich finde <a title="Lakoff: Frame yourself" href="http://www.huffingtonpost.com/george-lakoff/occupy-wall-street_b_1019448.html">außerparlamentarische</a> Ansäzte auch sympathischer, aber wer die repräsentative Demokratie nicht grundsätzlich ablehnt, kommt an Parteien nicht vorbei. Und in der gegebenen Konstellation scheint mir eine Verschiebung der Kräfte nur von linkspopulistischer Position realistisch.)</p>
<h4>Grenzen der Boulevardisierung</h4>
<p>Zwei Einschränkungen sind allerdings wichtig: 1) Die Kannibalisierung progressiver Kräfte sollte bei parlamentarischen Ansätzen verhindert werden. Strukturell gesehen hat der auch von Grünen betriebene Rausflug der Liberalen aus dem Nationalrat einen Rechtsruck bewirkt. Einige Wählerstimmen, die damals in gesellschaftspolitischen Fragen progressiv repräsentiert wurden, werden heute von Rechten vertreten. Folglich: Liberale müssten sich nicht unbedingt mit so einem linkspopulistischen Projekt identifizieren, allerdings sollten die Reibungsflächen minimiert werden.</p>
<p>2) Und die zweite ist unabdingbar: Es muss einen antirassistischen Grundkonsens geben. In der österreichischen Occupy-Bewegung hat eine ideologische <a title="Wikipedia Zeitgeist-Bewegung" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitgeist_Bewegung">Strömung </a>Fuß gefasst, die sich nicht ausreichend von antisemitischen Ideen abgrenzt und auch sonst allerlei totalitäre Vorstellungen propagiert. Wie eigene Recherchen belegen, marschierten bei der Kundgebung am 15. Oktober auch mehrere Rechtsradikale mit, die ansonsten beim neonazistischen <a title="Wikipedia Nowotny" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Nowotny">Gedenken</a> an Walter Nowotny oder beim &#8220;<a title="DÖW: 8. Mai" href="http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2011_05/wkr_2.html">Totengedenken</a>&#8221; am 8. Mai anzutreffen sind. Ein anderer Demonstrant trug ein gelbes Schild mit der Aufschrift &#8220;Goldmann sucks&#8221;.</p>
<p>Eine systematische Aufarbeitung dieser Entwicklung steht aus und ein antirassisitischer Konsens müsste am Beginn eines jeden linkspopulistischen Projekts stehen. Antisemitismus, Antiislamismus, kultureller Patriotismus oder ähnliche Formen von partikulärer Interessenvertretung lassen sich nicht nur theoretisch schwer mit universalistischen Anliegen vereinen &#8211; diese Kombination ist auch in der Praxis zum Scheitern verurteilt. Gleiche Rechte &#8211; aber nur für unsere Leut &#8211; mit diesem Widerspruch zerreibt sich die SPÖ schon seit Jahren zwischen progressivem Flügel und potentiellen FPÖ-Wähler/innen. Für ein solches Scheitern braucht es kein neues Projekt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Ein PS: Weil vielleicht auch ein paar liberale Freund/innen mitlesen, die da drüber stolpern. Partikularinteresse ist nicht gleich Partikularinteresse. Wenn Bevölkerungsgruppen systematisch diskriminiert werden, dann ist positive Diskriminierung temporär angebracht. Beides mag gleich aussehen, ist es aber nicht: die Privilegierung erfolgt wegen der Diskrimnierung, nicht wegen des Merkmals aufgrund dessen diskrimniert wird. Daraus folgt umgekehrt: Es macht einen graduellen Unterschied, ob ich gegen &#8220;Ausländer&#8221; pauschalisiere oder gegen &#8220;Reiche&#8221;. Er ist bestimmt durch die gesellschaftliche Position und damit verbundene Macht, sich zur Wehr zu setzen. Bei der positiven Diskriminierung lässt sich individuelle Diskriminierung (armer Mann muss länger arbeiten als reiche Frau) nicht umgehen  &#8211; sie ist allerdings so lange gerechtfertigt, als sie geringer bleibt, wie beim freien Spiel der Kräfte.</em></p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Externe Beiträge zur Wutbürger-Rede:</p>
<li style="list-style-type:circle; margin:0 0 0 17px;" >Markus Otti: <a href="http://nonapartofthegame.eu/?p=3223" rel="bookmark">Wutdüringer – Fluch oder Segen?</a></li>
<li style="list-style-type:circle; margin:0 0 0 17px;" >Klemens Wieringer: <a href="http://neonliberal.at/wutbuergerismus/">Wutbürgerismus</a><a href="http://neonliberal.at/wutbuergerismus/"><br />
</a></li>
<li style="list-style-type:circle; margin:0 0 0 17px;" >Markus Leitner: <a href="http://neonliberal.at/wutbuergerismus/">Die neue Wutbürgerlichkeit: Ein wirksames Gegenmodell zum Rechtspopulismus?</a> Empfehlung!</li>
<li style="list-style-type:circle; margin:0 0 0 17px;" >Markus Oswald: <a href="http://allesnormal.com/Subjektiv/#75">Jetzt werd ich langsam wütend… </a></li>
<li style="list-style-type:circle; margin:0 0 0 17px;" >Stefan Mackovik: <a href="http://www.crazybird.net/2011/12/15/mut-zur-wut/">Mut zur Wut</a></li>


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		<title>Zeugeneinvernahme</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 12:14:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nicht jede/r kann mit einer unvoreingenommenen Behandlung durch die Justiz rechnen. Der soziale Status spielt dabei offensichtlich noch immer eine viel zu bedeutende Rolle. Ein Erlebnisbericht. Endlich komme ich dazu, noch folgendes zu erzählen: Am Dienstag, den 22. November besuchte ich am Wiener Landesgericht den Medienrechtsprozess den der ORF-Journalist Eduard Moschitz gegen die FPÖ angestrengt [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/zeugen/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Nicht jede/r kann mit einer unvoreingenommenen Behandlung durch die Justiz rechnen. Der soziale Status spielt dabei offensichtlich noch immer eine viel zu bedeutende Rolle. Ein Erlebnisbericht.</div>
<p><img title="Weiterlesen..." src="http://phsblog.at/wordpress/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><span id="more-1525"></span>Endlich komme ich dazu, noch folgendes zu erzählen: Am Dienstag, den 22. November besuchte ich am Wiener Landesgericht den <a title="Wiener Zeitung: Strache bleibt bei Vorwürfen" href="http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/413168_Strache-bleibt-bei-Vorwuerfen.html">Medienrechtsprozess </a>den der ORF-Journalist Eduard Moschitz gegen die FPÖ angestrengt hat. Grund: Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache behauptete, Moschitz habe bei Dreharbeiten für die Sendung <em>Am Schauplatz</em> einen &#8220;Skinhead&#8221; zur nationalsozialistischen Wiederbetätigung bei einer FPÖ-Kundgebung angestiftet, um ihn, Strache, in Misskredit zu bringen. Der FPÖ-Chef blieb in der Verhandlung bei seinen Vorwürfen und will den Wahrheitsbeweis erbringen; den bisherigen Zeugenaussagen nach zu urteilen, werden diese Vorwürfe allerdings schwer zu halten sein.</p>
<h4>Ungeachtet Stand und Ansehen!</h4>
<p>Soviel zur Vorgeschichte. Anlass für diesen Blogbeitrag ist der Umgang mit Zeug/innen bei Gericht, der mir wieder einmal sauer aufgestoßen ist. Laut Strafprozessordnung haben alle Richter/innen, Staatsanwälte und kriminalpolizeilichen Organe ihr Amt unparteilich und unvoreingenommen auszuüben (<a title="StPO Unvoreingenommenheit" href="https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Dokumentnummer=NOR40050462&amp;ResultFunctionToken=772ce9dd-1abd-4ad6-a55f-01f4200ee39f&amp;Position=1&amp;Kundmachungsorgan=&amp;Index=&amp;Titel=stpo&amp;Gesetzesnummer=&amp;VonArtikel=&amp;BisArtikel=&amp;VonParagraf=&amp;BisParagraf=&amp;VonAnlage=&amp;BisAnlage=&amp;Typ=&amp;Kundmachungsnummer=&amp;Unterzeichnungsdatum=&amp;FassungVom=25.11.2011&amp;NormabschnittnummerKombination=Und&amp;ImRisSeit=Undefined&amp;ResultPageSize=100&amp;Suchworte=unvoreingenommen">StPO § 3</a>). Eine Vorgabe, mit der die Realität nur sehr schwer mithalten kann. Mein Eindruck war, dass der soziale Hintergrund der Zeug/innen ihre Behandlung durch das Gericht in einem Ausmaß beeinflusst hat, der die Wahrheitsfindung behindert.</p>
<p>Während Zeug/innen mit entsprechendem Background zuvorkommend und höflich behandelt wurden, mussten insbesondere die beiden &#8220;Skinheads&#8221; &#8211; die Hauptprotagonisten der ORF-Dokumentation &#8211; eine recht aggressive Vernehmung über sich ergehen lassen. Andere Zeug/innen erhielten ausführlich Gelegenheit, Wiedersprüche aufzuklären und vormalige Aussagen zu interpretieren, diese Bereitschaft fehlte dem Gericht bei den &#8220;Skinheads&#8221; durchwegs. Bei einem der beiden interpretierte der Richter die Aussagen des Zeugen derart exzessiv, dass Moschitzs Anwältin Maria Windhager sich genötigt sah zu verhindern, dass die Zusammenfassung des Richters ins Protokoll aufgenommen wird.</p>
<p>Als Straches Verteidiger sich anschickte dem Gericht die Telefonnummer eines neuen Zeugen bekannt zu geben, forderte der Richter ihn auf, diese nicht öffentlich zu nennen, sondern auf einem Zettel zu übergeben. Eine Vorsichtsmaßnahme, die der selbe Richter in Bezug auf eine andere Zeugin nicht für erforderlich hielt. Es handelte sich um die Ex-Freundin eines der &#8220;Skinheads&#8221;. Ihre Nummer wurde laut verlesen.</p>
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<p><strong>Wahrheitsfindung</strong></p>
<p>Das Gericht hat die Aufgabe, Unklarheiten und Widersprüche einer Zeugenaussage aufzuklären (<a title="StPO Vernehmung von Zeugen" href="https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Dokumentnummer=NOR40050620&amp;ResultFunctionToken=0c90e218-164e-4b5c-8c16-a4bfdd5e0b9b&amp;Position=1&amp;Kundmachungsorgan=&amp;Index=&amp;Titel=stpo&amp;Gesetzesnummer=&amp;VonArtikel=&amp;BisArtikel=&amp;VonParagraf=161&amp;BisParagraf=&amp;VonAnlage=&amp;BisAnlage=&amp;Typ=&amp;Kundmachungsnummer=&amp;Unterzeichnungsdatum=&amp;FassungVom=25.11.2011&amp;NormabschnittnummerKombination=Und&amp;ImRisSeit=Undefined&amp;ResultPageSize=100&amp;Suchworte=">StPO § 161 Z2</a>). Wie dabei vorgegangen wird &#8211; ob eine Vertrauensbasis aufgebaut oder Druck ausgeübt wird &#8211; bleibt offenbar dem Geschick des Gerichts überlassen.</p>
<p>In unserem Fall stützt sich HC Strache wesentlich auf Anschuldigungen gegen Moschitz, welche die beiden Hauptzeugen laut Einvernahme-Protokoll vor dem zuständigen LVT NÖ erhoben hatten: Moschitz habe ihnen finanzielle Prämien für besonders aggressive Sager versprochen und sie gedrängt, solche auf der FPÖ-Veranstaltung vor laufender Kamera zu tätigen.</p>
<p>Diese Behauptungen nahmen die Zeugen allerdings bei einer Einvernahme durch das LVT Wien zurück. Sie hätten während der vierstündigen Vernehmung nicht auf die Toilette oder rauchen dürfen, die Aussage sei durch massiven Druck zustande gekommen. Da ohnehin Film- und Tonaufnahmen von dem Vorfall existierten, hätten sie einfach alles unterschrieben, um gehen zu können. Allerdings enthält auch die Niederschrift vom LVT Wien Aussagen, die einer der Zeugen so nicht getätigt haben will.</p>
<p>Um diese Widersprüche aufzuklären, könnte der Richter versuchen, die Perspektive des Zeugen einzunehmen. Er könnte zum Beispiel hinterfragen, ob der Begriff &#8220;Prämie&#8221; zum aktiven Wortschatz des Zeugen passt und ob dessen Aussage vor Gericht &#8220;I hät ma scho mehr erwoart&#8221; nicht eher folgende Version nahelegt: die Protagonisten vermuteten, Moschitz würde mehr zahlen, wenn sie ihm etwas Provokantes liefern.</p>
<p>Insbesondere beim zweiten Zeugen, der offenbar vom Richter schon in einem anderen Verfahren verurteilt wurde, verzichtete der Richter gänzlich auf diesen <a title="Versthende Soziologie" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verstehende_Soziologie">verstehenden</a> Zugang: Immer und immer wieder hielt der dem Teenager die selben Widersprüche zwischen den beiden Einvernahmen vor und versuchte ihn durch &#8220;Ist es nicht so, &#8230;&#8221;-Fragen zu einer bestimmten &#8211; Moschitz belastenden &#8211; Darstellung zu drängen. Der Zeuge reagierte zunehmend resigniert darauf, dass seine Darstellung nicht zur Kenntnis genommen wurde und vermeldete schließlich: &#8220;Wenn Sie&#8217;s eh nicht wissen wollen, dann glauben sie was sie wollen. Mir is Wurscht.&#8221;</p>
<p>Wenn dieser Jugendliche je geglaubt hat, dass in dieser Gesellschaft ein Platz für ihn ist, dann hat er diesen Glauben spätestens bei dieser Einvernahme durch den Richter verloren. Nach der Vernehmung durch den Richter ist jedenfalls leicht nachvollziehbar, wie die später zurückgenommene Aussage vor dem LVT NÖ zustande gekommen sein könnte. Vielleicht will der Richter nur eine drohende Verurteilung Straches absichern, indem er beweist, dass er &#8220;alles versucht&#8221; hat. Ungeachtet dessen, was die beiden sich bisher zu Schulden kommen ließen &#8211; es muss Aufgabe einer modernen Gerichtsbarkeit sein zu verhindern, dass Zeugen/innen mächtigen Interessen geopfert und in einer respektlosen und entwürdigenden Art und Weise vorgeführt werden. Das wird besonders deutlich, wenn es sich bei den Betreffenden um Jugendliche handelt, denen die Allgemeinheit bislang ohnehin nicht viel zu bieten hatte.</p>
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		<title>Gefälschte Meinung</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 16:36:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Parteien simulieren Bevölkerungsmeinung durch gekaufte Internet-Profile und denken gleichzeitig über die Ausweitung von direktdemokratischen Instrumenten nach. Transparenz und Umwidmung von Parteien- in Demokratieförderung wären ein guter Schutz gegen solchen Missbrauch. Notwenig ist aber auch ein generelle Debatte über den Einfluss der Vermögensverteilung auf die demokratische Willensbildung. Der Kurier bringt heute auf der Titelseite ein Thema, [...]


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<li><a href='http://phsblog.at/wann-verzichtet-heute-auf-steuergelder/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wann verzichtet Heute auf Steuergelder?'>Wann verzichtet Heute auf Steuergelder?</a></li>
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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/gefalschte-meinung/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Parteien simulieren Bevölkerungsmeinung durch gekaufte Internet-Profile und denken gleichzeitig über die Ausweitung von direktdemokratischen Instrumenten nach. Transparenz und Umwidmung von Parteien- in Demokratieförderung wären ein guter Schutz gegen solchen Missbrauch. Notwenig ist aber auch ein generelle Debatte über den Einfluss der Vermögensverteilung auf die demokratische Willensbildung.</div>
<p><span id="more-1507"></span>Der <a title="Kurier: Gekaufte Facebook-Profile" href="http://kurier.at/techno/4316346.php">Kurier</a> bringt heute auf der Titelseite ein Thema, das bislang kaum breit diskutiert wurde, obwohl es von höchster demokratischer Relevanz ist. Firmen und Parteien kaufen sich bei Agenturen Internet-Profile, um die öffentliche Meinung und die demokratische Willensbildung zu beeinflussen.</p>
<h4>Hoher Wirkungsgrad</h4>
<p>Für 10.000 Euro monatlich können Parteien und Firmen die Dienstleistung &#8220;Forenbetreuung&#8221; erwerben. Ein/e Nebenerwerbs-Betreuer/in verdient bei der beauftragten Agentur rund 1.000 Euro mit der Bespielung von 20 gefälschten Profilen, berichtet die Futurezone des Kurier. Ich denke das ist gut investiertes Geld. Nehmen wir ein Beispiel: Für den Preis einer einmaligen <a title="Standard Anzeigentarife" href="http://derstandarddigital.at/3142005/STANDARD-Hauptblatt">Schaltung</a> <em>Juniorpage</em> (das ist ca eine 3/4 Seite) im Print-Standard kann man sich also geschätzte 3 bis 4 Vollzeit-Poster/innen kaufen, die einen Monat lang in den Foren des Onlinestandard präsent sind. Wieviele Postings schafft man so an einem durchschnittlichen Arbeitstag?</p>
<p>Kann man davon ausgehen, dass Parteien diese Dienstleistung in größerem Maßstab in Anspruch nehmen? Nehmen wir mal die FPÖ. Wenn man sich vor Augen führt, in welchem Umfang diese Partei allein für Zwischenkampagnen Inserate schaltet (zb. &#8220;Die faulen Griechen&#8221;), dann kann man sich leicht ausmalen, dass ein Bruchteil der Beträge genügt, um die Foren der Onlinezeitungen mit Postings zu fluten. Einen Hinweis auf die Größenordnung der Summen, die hier im Spiel sind, könnte eine Affaire aus unserem Nachbarland bieten: Ein Manager der deutschen Bahn wurde 2007 gefeuert, da er für <a title="Deutsche Bahn verdeckte Werbung" href="http://www.rp-online.de/wirtschaft/bahn-entbindet-verantwortlichen-fuer-verdeckte-meinungsmache-1.2326837">verdeckte Werbung</a> 1,3 Millionen Euro ausgegeben und damit gefakte Leserbriefe und Forenbeiträge finanziert hatte.</p>
<p><em></em> Solche Summen werden bestimmt nicht ohne Grund investiert: In Zeiten ökonomischen Drucks sind Medienkonsument/innen &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; weniger Adressat/in von Aufklärung, als vielmehr <em>Kund/in </em>eines Produkts; für Redaktionen bieten dabei Postings und Leserbriefe die wichtigsten Anhaltspunkte, welchen Content diese konsumieren wollen. Ich habe keine Forschung dazu gefunden, aber meine Erfahrung sagt mir, dass dabei viele Redaktionen den Einfluss von gekaufter Meinung unterschätzen (Bitte um Hinweise!). Ironie an der Sache: wahrscheinlich sind es die selben politischen Kräfte, die das Meinungsklima in Zeitungsforen und Facebookgruppen  zu einem Gutteil finanzieren, die dieses dann in weiterer Folge zum Indikator der allgemeinen Meinungslage überhöhen.</p>
<p>[tweetbutton]<span class="fb_share"><fb:like href="http://phsblog.at/gefalschte-meinung/" layout="button_count"></fb:like></span></p>
<h4>Mehr direkte Demokratie</h4>
<p>Wenn Parteien gleichzeit Bevölkerungsmeinung simulieren und über die Ausweitung direktdemokratischer Instrumente nachdenken, wie <a href="http://derstandard.at/1319183239617/Buergerbeteiligung-Prammer-will-deutsches-Modell-fuer-direkte-Demokratie" target="_blank">gestern</a> Barbara Prammer, dann müssen wir auch darüber diskutieren, wie wir den Missbrauch dieses Instruments verhindern können.</p>
<p>Sonst landen wir bei der absurden Situation, dass in Zeitungen, die durch politische Inserate finanziert werden, über von Parteien betriebene Volskbegehren berichtet wird, die dann in den Diskussionsforen der Zeitungen von parteifinanzierten Postern diskutiert werden, um dann von Abgeordneten im Parlament beschlossen zu werden, die nur formal ein freies Mandat ausüben.</p>
<p>Volksentscheide machen nur Sinn, wenn sie tatsächlich zu einer Ausweitung demokratischer Beteiligung durch die Bevölkerung führen. Sollten direktdemokratische Instrumente weiterhin überwiegend von Parteien genutzt werden, wäre eine Ausweitung sinnlos. Parteien müssten deshalb wohl dezidiert von der Nutzung ausgeschlossen werden. Eine unabhängige Finanzierung könnte man durch die Umwidmung von 20 Prozent der nahezu 300 Million Euro öffentlicher Parteiförderung in eine Demokratieförderung ermöglichen.</p>
<p>Um eine indirekte Einflussnahme zu verhindern, wäre die vollständige Offenlegung der Parteifinanzen &#8211; Einnahmen wie Ausgaben &#8211; notwendig. Eine saubere Lösung würde auch Vorfeldorganisationen und zivilgesellschaftliche Interessensvertretungen in diese Verpflichtung miteinbeziehen.</p>
<p>Das hätte den positiven Nebenenffekt, dass sich Wähler/innen ein Bild darüber machen können, wer welche Mittel zur Produktion der demokratischen Meinungsbildung aufwendet. Hier wäre eine breite Debatte ohnehin längst überfällig: Das demokratische Versprechen lautet, dass alle <em>Normunterworfenen</em> gleichberechtigt an der Erzeugung der Normen teilhaben können. Dieses Versprechen ist längst in Frage gestellt, wenn Vermögen und Chancen so ungleich verteilt sind, dass 10 Prozent der Bevölkerung aufgrund von <a href="http://www.profil.at/articles/0640/560/153346/auslese">sekundärem Analphabetismus </a>der politischen Berichterstattung nicht folgen können.</p>
<h4>Der Einfluss von Vermögen auf die öffentliche Meinung</h4>
<p>Um hier nicht den Eindruck zu erwecken ich hätte etwas gegen Parteien, hier die Klarstellung, dass ich ein Verfechter der repräsentativen und damit der Parteiendemokratie bin. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn die politischen Institutionen nicht von der Wirtschaft und die zivilgesellschaftliche Spähren nicht von Parteien beherrscht würden. Die Behebung dieser Fehlentwicklung erfordet ein Zurückdrängen des Einflusses ökonomischer Eliten auf die Parlamente und ein Zurückdrängen des Parteieneinflusses auf Schulen, Medien und Wirtschaft.</p>
<p>Nehmen wir die Diskussion um die Ausweitung direktdemokratischer Instrumente zum Anlass, um der Bedrohung des demokratischen Versprechens durch zu ungleiche Vermögensverteilung zu begegnen. Eine hohe Finanzierung der Politik durch öffentliche Gelder ist sinnvoll &#8211; wenn diese nicht dazu führt, dass ohnehin vermögende Gruppen in den Genuss dieser Förderung kommen. Verhindern wir, dass die Eliten ausgebaute direktdemokratische Instrumente dazu missbrauchen, um die politikmüde Mehrheit wieder mal zu übertölpeln.</p>
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		<title>Strache-Demo: Skinhead festgenommen</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 20:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>phs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der Strache-Demo gestern Abend auf dem Wiener Stephansplatz nahm die Polizei einen Skinhead fest. Dieser hatte zunächst eine Frau attackiert und dann Polizisten angepöbelt. Warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon? Gestern Abend um 19.45 Uhr nahm die Wiener Polizei bei der FPÖ-Kundgebung am Stephansplatz einen Skinhead fest. Der etwa 30-jährige Mann hatte eine junge [...]


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<p><span id="more-1463"></span></p>
<div id="attachment_1468" class="wp-caption alignleft" style="width: 508px"><a href="http://phsblog.at/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/skinhead.jpg"><img class="size-large wp-image-1468   " title="Unter die Zuhörer/innen der Strache-Rede hatten sich vereinzelt Skinheads gemischt." src="http://phsblog.at/wordpress/wp-content/uploads/2011/10/skinhead-1024x764.jpg" alt="Unter die Zuhörer/innen der Strache-Rede hatten sich vereinzelt Skinheads gemischt." width="498" height="371" /></a><p class="wp-caption-text">Unter die Zuhörer/innen der Strache-Rede am Stephansplatz hatten sich vereinzelt Skinheads gemischt. Bild: Dorn</p></div>
<p>Gestern Abend um 19.45 Uhr nahm die Wiener Polizei bei der FPÖ-Kundgebung am Stephansplatz einen Skinhead fest. Der etwa 30-jährige Mann hatte eine junge Frau bespuckt und zu Boden gerissen. Ein Großaufgebot von Einsatzeinheiten der Wiener Polizei sicherte die Kundgebung, weshalb sofort einige Beamt/innen zur Stelle waren.</p>
<p>Da die junge Frau keine Anzeige erstattete und die Polizist/innen den Vorfall offensichtlich nicht selbst von Anfang an beobachtet hatten, beließ es die Exekutive zunächst bei einer Identitätsfeststellung.</p>
<p>Dabei pöbelte der Kahlkopf die Beamt/innen jedoch lautstark als &#8220;Wixer&#8221; und &#8220;Trotteln&#8221; an. Nachdem ihn der amtshandelnde Polizist zweimal erfolglos verwarnte, wurde der Verdächtige festgenommen und abgeführt. Vermutlich wird er der Ordungsstörung beschuldigt.</p>
<h4>Warum wurde Vorfall nicht veröffentlicht?</h4>
<p>Ich schreibe diesen Eintrag, weil die Bundespolizeidirektion Wien diesen Vorfall von öffentlichem Interesse nicht publik gemacht hat. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, von Skinhead-Übergriffen bei Partei-Veranstaltungen zu erfahren; insebesondere wenn es sich um eine FPÖ-Veranstaltung handelt, da die FPÖ immer wieder durch mangelnde Abgrenzung von der extremen Rechten auffällig wird.</p>
<p>In diesem Zusammenhang muss kritisiert werden, dass die Polizist/innen auch auf dieser Kundgebung von einem Service-Fahrzeug der freiheitlichen Personalvertretung AUF mit Getränken versorgt wurden. Eine solche Verpflegung sollte allerdings durch die Dienststelle erfolgen. Es muss jeder Anschein vermieden werden, die Exekutive vor Ort hätte ein Motiv, Schaden von der FPÖ abzuwenden &#8211; etwa in dem sie einen Skinhead-Übergriff unter den Teppich kehrt.</p>
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		<title>In Echtzeit kriminalisiert</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 11:32:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>phs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn eine Innenministerin über Illegale spricht, sollte Echtqualität vor Echtzeit gehen. Sonst wird der Standard.at zum Sprachrohr der semantischen Flüchtlingsabwehr. Gestern erreichte mich eine Nachricht in Echtzeit. Über die Kanäle des Online-Standard. Die Meldung, von der ich spreche, hätte etwas Zeitverzögerung durchaus gut vertragen. Manchesmal sind nämlich Nachrichten in Echtqualität jenen in Echtzeit vorzuziehen. Besonders [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/in-echtzeit-kriminalisiert/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Wenn eine Innenministerin über Illegale spricht, sollte Echtqualität vor Echtzeit gehen. Sonst wird der Standard.at zum Sprachrohr der semantischen Flüchtlingsabwehr.</div>
<p><span id="more-1428"></span>Gestern erreichte mich eine Nachricht in Echtzeit. Über die Kanäle des Online-Standard. Die Meldung, von der ich spreche, hätte etwas Zeitverzögerung durchaus gut vertragen. Manchesmal sind nämlich Nachrichten in Echtqualität jenen in Echtzeit vorzuziehen.</p>
<p>Besonders dann, wenn die Nachricht auf Informationen der Innenministerin aus dem Bereich Asyl basiert. Besonders dann machen sich nämlich für ein Qualitätsmedium Redakteur/innen mit echten Zeitressourcen bezahlt &#8211; weil sie jede noch so gut recherchierte APA-Meldung erneut redigieren.</p>
<p>Ich spreche von der Meldung <em>Mikl-Leitner will &#8220;Schutzschirm&#8221; gegen illegale Migranten</em>, die um 15.52 von der APA an die Redaktionen gesendet und um 16.06 Uhr vom Online-Standard <a href="http://derstandard.at/1319181392683/Einwanderung-Mikl-Leitner-will-Schutzschirm-gegen-illegale-Migranten">abrufbar</a> war. Die APA hatte sich zuvor immerhin sechs Stunden Zeit genommen, um die initiale OTS-<a title="OTS Mikl Leitner" href="http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111027_OTS0062/mikl-leitner-brauchen-eu-schutzschirm-gegen-die-schlepperkriminalitaet">Aussendung</a> von Mikl-Leitner zu verarbeiten; die Meldung hätte wohl auch ein paar Minuten später nichts an &#8220;Brisanz&#8221; verloren.</p>
<div>
<p style="padding-left: 30px;"><cite>&#8220;Heuer seien in Österreich bereits 16.815 illegale Einwanderer und damit an die 30 Prozent mehr Personen als im Vorjahreszeitraum aufgegriffen worden, sagte Mikl-Leitner am Rande des EU-Innenministerrates am Donnerstag.</cite></p>
<p style="padding-left: 30px;"><cite>Die meisten Flüchtlinge stammten aus Afghanistan, Pakistan und aus Tschetschenien.&#8221; (DerStandard.at, 27.10.2011)</cite></p>
<p>Nun haben die Abwehrkämpfer/innen der Festung Europa die Tilgung der semantischen Differenz zwischen Illegalen und Asylsuchenden vollzogen. Bis zu neun von 10 Menschen aus den drei Ländern werden in Asylverfahren als schutzwürdig anerkannt und manchmal sind sie leidvollen Umständen entkommen, die wir gar nicht bereit sind, uns zu vergegenwärtigen.</p>
<p>Diesen Leuten des Recht abzusprechen, hier her zu kommen, ist eine miese Diffamierung ihrer Lebensgeschichte; ein Versuch die Menschenrechte auszuhebeln; vollzogen von einer orientierungslosen Mitte; dankbar die Flanken der extremen Rechten aufgreifend.</p>
<p>Die Tilgung dieser semantischen Differenz kam nicht überraschend. Wer es wissen wollte, konnte sie absehen: Es begann mit der Umdeutung von Fluchthilfe (es ging gegen den Kommunismus) in Schlepperei (es geht gegen die Habenichtse) &#8211; aber es gab wenigstens noch &#8220;echte Flüchtlinge&#8221;. Jetzt sind wir dort angelangt, wo die Innenministerin der Republik Österreich die Begriffe Flüchtling und Illegale/r synonym verwendet und keinen Unterschied zwischen Straftätern/innen und (sehr wahrscheinlich) Verfolgten mehr macht.</p>
<p>Völlig überraschend kommt für mich allerdings, dass der Standard.at diese Kriminalisierung mit nicht einer Zeile zum Thema macht, sondern die semantische Flüchtlingsabwehr unkommentiert unter die Leute bringt. Dabei hat der APA-Redakteur an der Stelle im Text &#8211; wo aus Straftätern plötzlich (sehr wahrscheinlich) Verfolgte werden &#8211; noch extra einen Umbruch gemacht. Als wolle er verwegnehmen, wo die Kolleg/innen vom Standard.at noch zwei Zeilen zur Illegalisierung von Flüchtlingen durch die europäischen Regierungen ergänzen werden. Eine Übung, auf die man bei der APA schon länger verzichtet.</p>
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		<title>Die Zeit des Sebastian Kurz (3)</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:36:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>phs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was macht Staatsekretär Sebastian Kurz mit seiner Zeit? Welche Initiativen will Kurz in der laufenden Legislaturperiode noch setzen und wie beurteilen die Integrationsexpert/innen Kenan Güngör, Alexander Pollak und Martin Schenk seine bisherige Leistung? Dritter und letzter Teil der Serie. Im zweiten Teil dieser Serie habe ich berichtet, dass Staatsekretär Sebastian Kurz mittelfristig Schwierigkeiten hatte, Zeit [...]


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<p><span id="more-1195"></span>Im <a title="Die Zeit des Sebastian Kurz (2)" href="http://phsblog.at/die-zeit-des-sebastian-kurz-2/">zweiten</a> Teil dieser Serie habe ich berichtet, dass Staatsekretär Sebastian Kurz mittelfristig Schwierigkeiten hatte, Zeit für die wichtigsten Akteur/innen der Integrationsszene zu finden. Und dass er damit seinen eigenen Ansprüchen nicht ganz gerecht wurde.</p>
<p>Nun haben mich einige der bislang verschmähten Einrichtungen informiert, dass sie nun doch eine Einladung vom Staatssekretär erhalten haben. Freilich will Kurz nicht selbst mit den Verschmähten sprechen &#8211; immerhin gibt es Gesprächstermine auf Beamt/innenebene. Für mich sind diese Terminschwierigkeiten ein guter Anlass zu fragen: was macht der Staatsekretär eigentlich so mit seiner Zeit?</p>
<p>Dieser dritte Beitrag über den Integrations-Staatsekretär widmet sich der Frage nach der Leistung des Sebastian Kurz. Was sagen Integrationsexpert/innen zu seiner bisherigen Bilanz und was hat Sebastian Kurz sich selbst für Ziele für die zwei noch verbleibenden Jahre der Legislaturperiode gesteckt?</p>
<h4>Was bringt die Amtszeit Kurz?</h4>
<p>In Erscheinung getreten ist der Staatsekretär bislang vor allem mit der Inseratenkampagne <em>Integration durch Leistung</em> sowie dem Schulbesuchsprojekt von vorbildhaften Migrant/innen <em>Zusammen Österreich</em>.</p>
<p>Die Integrationsbotschafter/innen, die derzeit an österreichischen Schulen touren, werden durch umfangreiche Inseratenschaltungen sehr gut wahrgenommen und verschaffen dem Kurz&#8217;schen Integrationsbegriff viel Raum. Der Staatssekretär hat damit auf der diskursiven Ebene einen veritablen Erfolg gelandet und die Integrationsdebatte neu geframed. Kurz will nicht mehr auf die Herkunft schauen, sondern auf die Leistung.</p>
<p>Für Kurz ist das ein doppelter Erfolg. Zum einen ist es durch die Verbindung der Begriffe Integration und Leistung gelungen, der FPÖ Wind aus den Segeln zu nehmen, zum anderen ist der Leistungsbegriff auch gleich noch das zentrale Thema der ÖVP für die kommende Nationalratswahl.</p>
<h4>Diskursive Fortschritte Richtung Normalzustand</h4>
<p>Doch nicht nur aus ÖVP-Sicht ist diese Diskursverschiebung ein Fortschritt. Martin Schenk von der Diakonie hält die Etablierung des Leistungsbegriffs für eine wesentliche Verbesserung. &#8220;Es ist gerechter, wenn Chancen und Möglichkeiten im Leben von der eigenen Initiative abhängen und nicht von der sozialen oder ethnischen Herkunft.&#8221;</p>
<p>Schenk erwartet sich allerdings, dass das Prinzip auch überall dort konkret umgesetzt wird, wo aufgrund der Herkunft diskriminiert wird: &#8220;Strukturelle Diskriminierung etwa im Bildungswesen, am Arbeitsmarkt oder bei der Mitbestimmung müssen dringend beseitigt werden. Die soziale Mobilität, ein Indikator für die Geltung des Leistungsprinzips ist in Österreich im Vergleich zu den OECD-Staaten besonders gering.&#8221;</p>
<p>Und tatsächlich will Kurz Leistung nicht nur fordern, sondern auch ermöglichen. Auf meine Anfrage antwortet der Staatsekretär per Email: &#8220;Mein Ziel ist es, Leistung von Migranten zu fordern, aber auch zu ermöglichen: im Kindergarten, in der Schule, im Berufsleben, in den Vereinen.&#8221;</p>
<p>Auch das ist ein Fortschritt gegenüber der bisherigen ÖVP-Linie, dass der Staatsekretär strukturelle Diskriminierung offensichtlich nicht mehr länger unter den Teppich kehren will. Man wird sehen ob Kurz den Atem hat, die Tabuisierung von Diskriminierung und Verteilungsdebatten in seiner Partei zu durchbrechen.</p>
<p>Martin Schenk legt aber auch Wert darauf, dass &#8220;wenn es um Gerechtigkeit geht, der Normalzustand einer modernen Demokratie sein sollte, dass neben der Rede über die Leistungsgerechtigkeit auch Bedarfs- und Teilhabegerechtigkeit thematisiert wird. Alle benötigen Schutz vor Armut, Pflegeleistungen und Zugang zu Kultureinrichtungen. Vor allem: in Demokratien dürfen alle mitbestimmen.&#8221;</p>
<h4>Strukturelle Verbesserungen nicht vorgesehen</h4>
<p>Das Diskussionsklima ist das eine, wer das Zusammenleben in Österreich nachhaltig verbessern will, muss Gesetze ändern und Geld in die Hand nehmen &#8211; um strukturelle Diskriminierung zu beenden und die ökonomische, aber auch die rechtliche und kulturelle Verteilungsschere zu schließen. Die Vererbung von schlechten Bildungschancen löst sich nicht durch Rhetorik auf; schlechte Arbeitsmarktchancen und ein hohes Armutsrisiko ebenso nicht.</p>
<p>Und hier tritt ein Konstruktionsfehler zu Tage: das Staatsekretariat für Integration wurde während einer laufenden Legislaturperiode eingerichtet und verfügt deshalb weder über einen eigenen Kompetenzbereich noch über ein eigenes Budget. Es sind auch keine konkreten legistischen Schritte im Koalitionsübereinkommen vorgesehen. Was immer also Kurz unternehmen möchte, er ist auf den Goodwill anderer Minister/innen angewiesen.</p>
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<p>Auf die Anfrage, welche konkreten Vorhaben der Staatsekretär in der laufenden Legislaturperiode noch umsetzen wolle, antwortet Kurz deshalb wenig verwunderlich ausweichend: &#8220;Wo ich von mir aus die notwendigen Schritte setzen kann, werde ich das tun. Überall dort, wo andere Ressorts federführend sind, setze ich auf enge Kooperation mit anderen Regierungsmitgliedern.&#8221;</p>
<h4>Brückenbauer Kurz</h4>
<p>Der Integrationsexperte Kenan Güngör sieht die fehlenden Kompetenzen, will sie aber&#8221;nicht überbewerten&#8221;. Integration reiche in alle Politikfelder hinein, ein kooperativer Zugang sei zwangsläufig geboten. Und Güngör sieht in Kurz das Potenzial um zwischen den Ministerien, den Communities und den NGOs als Brückenbauer zu fungieren. Güngör: &#8220;Sebastian Kurz hat bisher einen kooperativen Stil und ist deshalb vom Prinzip her durchaus geeignet für diesen Job.&#8221;</p>
<p>Die Verschiebungen auf der diskursiven Ebene hätten auch schon strukturelle Wirkungen: &#8220;Es gibt konkrete Bestrebungen die Anerkennung von Qualifikationen zu verbessern. Seit Jahren wissen wir, dass die fehlende Anerkennung von Zeugnissen zu unterqualifizierter Beschäftigung führt. Da passiert jetzt endlich was.&#8221;</p>
<p>Insgesamt will sich aber auch Güngör nicht allzu optimistisch zeigen: &#8220;Für die notwendigen, umfangreichen strukturellen Änderungen muss sich die gesamte Bundesregierung bewegen. Ob Kurz das Gewicht hat, diesen Impuls auszulösen, bleibt offen.&#8221;</p>
<h4>Mikl-Leitner macht harte Gesetze, Kurz weiche Bilder</h4>
<p>Alexander Pollak von SOS Mitmensch äußert sich dezidiert skeptisch in Bezug auf die Rolle und bisherige Performance von Kurz. Um das Integrationsstaatssekretariat einzuordnen müsse man &#8220;das Zusammenwirken mit dem Innenministerium in den Blick nehmen&#8221;, so Pollak. &#8220;Mikl-Leitner und Kurz spielen Good-Cop-Bad-Cop. Mit ungleichen Machtverhältnissen. Mikl-Leitner macht harte Gesetze, Kurz erzeugt weiche Bilder. Das gehört zusammen.&#8221;</p>
<p>Es fehle Kurz bisher sowohl am Willen als auch an den Möglichkeiten, einen echten Paradigmenwechsel einzuleiten und strukturell für mehr Rechte und Chancen zu sorgen. Das lasse sich etwa daran ablesen, dass Kurz &#8220;immer noch mit einem bipolaren Integrationsbegriff arbeitet, der zwischen Migrant/innen und Einheimischen unterscheidet und den Migrant/innen die Defizite zuschreibt.&#8221;</p>
<h4>Paradigmenwechsel steht aus</h4>
<p>Strukturelle Änderungen sind laut Pollak erst zu erwarten, wenn Integration als &#8220;ein ständiger Prozess, der die gesamte Gesellschaft betrifft und sowohl das Verhältnis der Mitglieder zueinander, als auch das Verhältnis zwischen Institutionen und Bürger/innen bearbeitet.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das ist die Leistung, die ich mir von einem Staatssekretär für Integration erwarte&#8221;, sagt Pollak, &#8220;die staatlichen Institutionen auf die Vielfalt der Bevölkerung auszurichten.&#8221;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><strong>Teil 1</strong> – </strong><a title="Die Zeit des Sebastian Kurz (1)" href="http://phsblog.at/die-zeit-des-sebastian-kurz-1/">Hat bei den NGOs tatsächlich ein Stimmungswandel stattgefunden</a><strong>?<br />
Teil 2</strong> &#8211; <a title="Die Zeit des Sebastian Kurz Teil 2" href="http://phsblog.at/die-zeit-des-sebastian-kurz-2/">Nimmt sich Kurz ausreichend Zeit für Dialog mit seinen Mitstreiter_innen?</a></p>


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		<title>Die Diskussionskultur der Mutbürger</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 10:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>phs</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was der Mutbürger-Stammtisch der Anneliese Rohrer von den &#8220;Chaoten&#8221; des Audimaxismus lernen könnte. Eine teilnehmende Beobachtung im bürgerlichen Revier. Die Wutbürger. Bisher beobachte ich die Politisierung des bürgerlichen bis konservativen Milieus mit solidarischer und kritischer Distanz. Am Montag besuchte ich den Mutbürger-Stammtisch, eine österreichische Variante der deutschen Wutbürger, initiert von Anneliese Rohrer. Rohrer selbst war [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<fb:like href='http://phsblog.at/die-diskussionskultur-der-mutburger/' send='false' layout='standard' show_faces='false' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='verdana'></fb:like><div class="vorspann">Was der Mutbürger-Stammtisch der Anneliese Rohrer von den &#8220;Chaoten&#8221; des Audimaxismus lernen könnte. Eine teilnehmende Beobachtung im bürgerlichen Revier.</div>
<p><span id="more-1298"></span>Die <em>Wutbürger</em>. Bisher beobachte ich die Politisierung des bürgerlichen bis konservativen Milieus mit solidarischer und kritischer Distanz. Am Montag besuchte ich den <em>Mutbürger-Stammtisch</em>, eine österreichische Variante der deutschen <a title="Wikipedia Wutbürger" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wutb%C3%BCrger">Wutbürger</a>, initiert von Anneliese Rohrer. Rohrer selbst war entschuldigt, das Burgkino &#8211; in dem das Treffen stattfand &#8211; fand ich trotzdem ziemlich voll vor. Angekündigter Programmpunkt: Wolfgang Radlegger und Erhard Busek präsentieren ihre Demokratie-Initiative <a title="MeinOE" href="http://meinoe.at" target="_blank">MeinOE.</a></p>
<p>In den Sitzreihen lauschte überwiegend gut situiertes Publikum jenseits der 40. Vereinzelt saßen auch Jugendliche und Initiativen im Saal; eine EU-Austritts-Gruppe, die Väter-Initiative oder Herta Wessely von der  <a title="Aktion 21" href="http://aktion21.at/" target="_blank">Aktion21</a>. Eine Abordnung der Piratenpartei besetzte optisch abgesetzt eine halbe Sitzreihe.</p>
<p>Die Ausführungen von Busek und Radlegger dauerten eine dreiviertel Stunde und wurden von Moderator Günter Voigt noch ergänzt, bevor er zu Wortmeldungen aus dem Publikum ermunterte. Der Reihe nach meldeten sich Diskutant/innen mit den unterschiedlichsten Anliegen zu Wort; Pflegerechts-Streitigkeiten, Korruption, Väterrechte oder Abschaffung des Geldes.</p>
<h4>Die andern san deppat</h4>
<p>Die Diskussion war verheerend. Gemeinsam war den meisten Wortmeldungen, dass die eigene Angelegenheit als einzig relevante hervorgehoben wurde &#8211; oft garniert mit einer Abwertung der Vorredner/innen. Auch Busek und Radlegger hatten zuvor nicht mit deftigen Seitenhieben gespart. Das alles erzeugte eine unangenehme Stimmung. Vielfach wurden die Sprecher/innen durch Zwischenrufe unterbrochen und als profilierungssüchtige Selbstdarsteller diskreditiert.</p>
<p>Der Moderator war nicht in der Lage, dem etwas entgegen zu setzten. Weder hatte er Diskussionsregeln transparent gemacht, noch achtete er auf deren Einhaltung. Jene, die gekommen waren, um Busek und Radlegger zu lauschen, waren frustriert ob der vielfältigen Anliegen aus dem Publikum. Jene, die gekommen waren, um ihre Anliegen zu präsentieren und andere zu hören, waren vor den Kopf gestoßen, weil ihr Engagement als Wichtigtuerei abgetan wurde.</p>
<p>Abfällige Bemerkungen des Moderators erhöhten die Aggression im Saal noch weiter: die Piratenpartei machte er als Spaßprojekt herunter, mehrmals versuchte er Wortmeldungen abzubrechen, indem er sie inhaltlich abqualifizierte. Dabei wurde er selbst in kleinere Scharmützel verwickelt. Am Schluß machten sich noch einige Teilnehmer/innen Luft über die mangelnde Diskussionskultur.</p>
<p>Wer einmal einem amerikanischen Town-Hall-Meeting beigwohnt hat, kann angesichts einers solchen Veranstaltung nur den Kopf schütteln. Amerika ist allerdings auch ein Land mit langer demokratischer Tradition.</p>
<h4>Autoritätsgläubikgkeit</h4>
<p>Rohrer nennt in ihrem lesenswerten Buch <a title="Das Ende des Ungehorsams" href="http://www.braumueller.at/shop/catalog/product_info.php?products_id=2221&amp;osCsid=d83a9570478a1c4cf24b03767daa5684" target="_blank">Das Ende des Ungehorsams</a> mehrmals die weit verbreitete Autoritätsgläubigkeit als Ursache vieler Probleme in Österreich. Dieser Befund bestätigte sich an diesem Abend in Form eines graviernden Mangels an Diskussionskultur.</p>
<p>Wo nämlich das Zusammenwirken vieler nicht durch eine Autorität gewährleistet werden soll, der sich alle bedinungslos unterwerfen, dort sind explizite Regeln und Verfahren erforderlich. Zum Beispiel müßte von Beginn an klar gemacht werden, welche Statements in welcher Form aus dem Publikum erwünscht sind und welche nicht.</p>
<p>Damit diese Regeln Zustimmung finden, müssen sie für alle gleichermassen gelten und ihre Einhaltung von einer Moderation durchgesetzt werden. Dabei dürfte als bekannt vorausgesetzt werden, dass die Anerkennung der Moderation auch davon abhängen kann, wie sehr sie sich mit eigenen Beiträgen zurückhält.</p>
<p>Mich hat doch etwas verstört, auf welchem Niveau der <em>Mutbürger-Stammtisch</em> diesbezüblich stattfand. Nicht nur, dass der Moderator offensichtlich kaum Verständnis für seine Rolle mitbrachte; auch das zunehmend unzufriedenere Publikum machte lieber dem eigenen Ärger Luft, als eine geeignete Moderation(technik) einzufordern.</p>
<h4>Die &#8220;Chaoten&#8221; vom Audimax</h4>
<p>Diese fehlende Diskussionskultur ist umso bermerkenswerter,  als etwa die <a title="Das “geheime” Netzwerk der Studierenden" href="http://phsblog.at/das-geheime-netzwerk-der-studierenden/">Audimaxist/innen</a> &#8211; viele <em>Mutbürger</em> würden sie wohl als Chaoten bezeichnen &#8211; eine erstaunliche Diskussionskultur an den Tag gelegt hatten. Und da spreche ich noch gar nicht von für mich selbstverständlichen Anliegen, die viele <em>Mutbürger</em> vielleicht gar nicht teilen &#8211; wie dem Anspruch, männliche Sprechdominanz einzudämmen. Nein, die Diskussionkultur der Audimaxist/innen war um Jahrhunderte zivilisierter als die des <em>Mutbürger-Stammtisches</em>.</p>
<p>Die jungen Erwachsenen im Audimax hatten Verfahren eingeübt, die im vollbesetzten Audimax eine leidliche Diskussion ermöglichte. Immerhin faßt dieser größte Vorlesungssaal der Uni-Wien mehr als 800 Menschen. Natürlich verliefen nicht immer alle Diskussionen zur Zufriedenheit aller. Auch unter den Audimaxist/innen machte sich oft genug Frustration breit.</p>
<p>Allerdings auf einem ganz anderen Niveau. Die Diskussionsregeln, die sich die Studierenden gegeben hatten, waren ausreichend elaboriert, um Sprengversuche der Veranstaltung durch erfahrene Politgruppen abzuwenden, die Tagesordnung festzulegen und sogar über die Diskussionregeln selbst immer wieder Konsens herzustellen.</p>
<p>Der <em>Mutbürger-Stammtisch</em> könnte sehr vom Know-How der Audimaxist/innen profitieren. Trotz politischer Differenzen halte ich ihn für eine gute Sache, weil die Politisierung von Bürger/innen der Demokratie als ganzes nützt. Deshalb fände ich es wichtig, rasch auf das Manko mangelnder Gesprächskultur zu reagieren. Es wäre eine vertane Chance, wenn die <em>Mutbürger</em> ihre Lust auf Engagement bald wieder verlieren. Ich bin sicher, es finden sich ein paar Audimaxist/innen, die gerne helfen.</p>
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<p><strong>Edit:</strong> (14.10.2011) Ich möchte die Latte ja nicht zu hoch legen, aber das kursiert gerade im Netz &#8230;</p>
<p><iframe src="http://www.youtube.com/embed/6dtD8RnGaRQ" frameborder="0" width="425" height="350"></iframe></p>
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