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	<title>PHSBLOG.AT - Philipp Sonderegger blogt. &#187; Notizen</title>
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		<title>Wer a Tschusch ist, bestimmen no immer miar!</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 16:52:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>phs</dc:creator>
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Warum tun sich manche so schwer, die Diskriminierung anderer anzuerkennen? Die afrikanische Community in Wien wehrt sich seit Jahren gegen die Verwendung vorurteilsbehafteter Produktbezeichnungen, weil diese von Menschen schwarzer Hautfarbe als beleidigend empfunden werden. Allerdings wurde diese Diskussion offensichtlich nur von einer kleinen Minderheit wahrgenommen, selbst an politischen Menschen wie dem Blogger Gerald Bäck ist [...]


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			</a>
		</div>
<p>Warum tun sich manche so schwer, die Diskriminierung anderer anzuerkennen? Die afrikanische Community in Wien wehrt sich seit Jahren gegen die Verwendung <a title="Mein Julius hat keine Lust mehr auf ein dienstbotenartig gesenkten Kopf." href="http://www.meinjulius.at/" target="_blank">vorurteilsbehafteter Produktbezeichnungen</a>, weil diese von Menschen schwarzer Hautfarbe als beleidigend empfunden werden. Allerdings wurde diese Diskussion offensichtlich nur von einer kleinen Minderheit wahrgenommen, selbst an politischen Menschen wie dem Blogger <a title="Zitat Gerald Bäck: &quot;Ich wusste bisher nicht, dass das Wort Mohr genauso wie Neger einen rassistischen bzw. beschimpfenden Hintergrund hat.&quot;" href="http://www.baeck.at/blog/2009/07/23/pc/" target="_blank">Gerald Bäck</a> ist sie vorbei gegangen. Man kann sich nicht für alles interessieren.</p>
<p><strong>Wer sich diskriminiert fühlen darf, bestimmen wir!</strong><br />
Wenn nun aber ein Vertreter der Community, der Journalist Simon Inou aus aktuellem Anlaß <a title="Inou gegen &quot;I will Mohr&quot;-Kampagne" href="http://fm4.orf.at/stories/1620176/" target="_blank">öffentlich</a> auf das Problem hinweist, verwundert es schon sehr, wer aller plötzlich ExpertIn dafür ist, was schwarze Menschen <em>nicht</em> verletzt. Dutzende KommentatorInnen ignorieren den Standpunkt der Betroffenen völlig und beschäftigen sich nur mit der eigenen Einschätzung der umstrittenen Begriffe.</p>
<p>Mehr noch: Opfer sind nicht mehr die Angehörigen systematisch diskriminierter Bevölkerungsgruppen, sondern &#8220;MehrheitsösterreicherInnen&#8221; wie <a href="http://linzerschnitte.at/" target="_blank">Judith</a>, weil sie angeblich von <a title="Zitat Judith auf Baeckblog.at: &quot;ich habe eine Freundin, die einen etwas dunkleren Teint hat (schwarz nämlich), die aber in Salzburg geboren ist. Muss ich die jetzt als Afroamerikanerin bezeichnen? Weils halt grad aktuell die politisch korrekte Bezeichnung ist…? Oder wie jetzt?!&quot;" href="http://www.baeck.at/blog/2009/07/23/pc/#comment-723">Political Corectness in ihrer Freiheit eingeschränkt</a> wird. Die Diskriminierten hingegen geraten bei<a title="Mathias" href="http://www.theflowersaregone.at/" target="_blank"> Mathias</a> in den Verdacht, <a title="Mathias auf baeck.at: Es hat sich ein &quot;Opferdenken etabliert [...], wonach es mitunter gar lukrativ sein kann, sich als Benachteiligter darzustellen.&quot;" href="http://www.baeck.at/blog/2009/07/23/pc/#comment-727">Kapital aus ihrer Lage zu schlagen</a> und der Twitterer <a href="http://twitter.com/zwischenruf" target="_blank">@zwischenruf </a>weiß sich gegen die &#8220;Bevormundung&#8221; keinen anderen Helfer als &#8211; jetzt erst Recht &#8211; den Verzehr der betreffenden Speise <a title="Eis essen gegen Bevormundung" href="http://twitter.com/zwischenruf/status/2795525699" target="_blank">anzukündigen</a>. Mahlzeit.</p>
<p>Warum tun sich manche wirklich so schwer, die Diskriminierung anderer anzuerkennen. Ich glaube es gibt ein paar schlüssige Vermutungen. Hier vier davon:</p>
<p><span id="more-129"></span></p>
<p><strong>Gruppe oder Individuum ?</strong><br />
Menschen schwarzer Hautfarbe in Österreich sind eindeutig <a title="PDF: ECRI Bericht 2005 Artikel 57" href="http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Austria/AUT-CbC-III-2005-1-DEU.pdf" target="_blank">häufiger Opfer</a> von Diskriminierung als Menschen mit heller Hautfarbe. Menschen sind aber immer Teil eines Kollektives und Individuen. Eine Person kann demnach AngehörigeR einer systematisch diskriminierten Gruppe sein, als Individuum aber nie Opfer einer Diskriminierung gewesen sein. Es gibt sogar priviligierte Mitglieder systematisch diskriminierter Gruppen. Viele haben ein Problem damit, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe als Opfer gehandelt wird. Trotzdem ist es für die Überwindung der Diskriminierung notwendig,  die Diskriminierung &#8220;schwarzer Menschen&#8221; zu bekämpfen und nicht jede Diskriminierung als zusammenhangslosen Einzelfall zu sehen.</p>
<p><strong>Moralischer Antirassimus<br />
</strong>Rassismus ist ein moralischer Kampfbegriff. Der Verwurf des Rassismus ist meist mit moralischer Schuldzuweisung verbunden. Dies steht oft Analyse und Wahrnehmung von rassistischen Strukturen im Weg. &#8220;Wenn die Intention fehlt, kann es sich auch nicht um Rassismus handeln&#8221;, lautet das gängige Argument. So hat etwa die geringere Schulbildung der österreichischen Roma etwas mit Rassimus zu tun, auch wenn deswegen keineR der Verantwortlichen im Unterrichtsministerium ein Rassistist sein muß. Der <a title="BUM - Glossar: Politischer Antirassimus" href="http://no-racism.net/antirassismus/glossar/politantirassismus.htm">politische Antirassismus</a> begreift Rassismus hingegen als (empirische) <a title="Moment: Rassismus muss normal werden" href="http://www.sosmitmensch.at/stories/2190/" target="_blank">Normalität</a>, die durch die Bekämpfung diskriminierender Strukturen bearbeitetet werden muß, anstatt durch Schuldzuweisungen.</p>
<p><strong>Rassismus hat mit Macht zu tun</strong><br />
Vor allem sehr Liberale neigen dazu, in ihrer Analyse von Rassismus gesellschaftliche Machtverhältnisse zu vernachlässigen. Für sie liegt die Verantwortung für das persönliche Fortkommen beim Individuum. Chancenungleichheiten, wie Reichtum der Eltern, Bildung oder Hautfarbe werden aus ideologischen Gründen unterbewertet (Wenn der amerikanische Traum &#8211; jeder ist seines Glückes Schmied &#8211; in der Praxis nicht stimmt, dann müsste ja der Staat eingreifen, um Chancengleichheit herzustellen). &#8220;Darf ich dann auch nicht mehr <a title="Thomas Mohr auf www.baeck.at" href="http://www.baeck.at/blog/2009/07/23/pc/#comment-695" target="_blank">weisser Spritzer</a> sagen?&#8221;, ist Ausdruck dieser Haltung. Er ist ignorant gegenüber der systematischen Schlechterstellung von Menschen schwarzer Hautfarbe.</p>
<p><strong>Ich teile nicht!</strong><br />
ProfiteurInnen von Rassimus geraten unter Druck zu verzichten, wenn sie Diskriminierung eingestehen müssen.  Ich begreife Rassismus vor allem als Sündebockstrategie. Als Methode, um gesellschaftliche Ungleichheit mithilfe von ethnischen Konstruktionen aufrechtzuerhalten. Es geht darum den priviligierten Zugang einer Mehrheit zu Macht, Möglichkeiten und Ressourcen zu rechtfertigen: Asylsuchende sind kriminell, dehalb darf man im Asyl-Verfahren Rechtsstandards aushölen. Die meisten von uns sind ProfiteurInnen von gesellschaftlicher Ungleichheit. Wir entstammen meist wohlhabenden Familien, sind gut ausgebildet und weiß. Das verschafft uns im Leben Vorteile. Manche von uns wehren sich auch dagegen, dass sich das ändert. Nicht einmal die Definitionsmacht darüber, was schwarzhäutige Menschen empfinden, wollen sie an die Betroffenen abgeben. Denn das würde ihre eigenen Möglichkeiten einschränken. Ernsthafter Antirassimus bedeutet für ProfiteurIn in letzter Konsequenz auch auf Previlegien zu verzichten.</p>
<p>Und abschließend: Ob der Slogan des Eiskonzerns rassistisch sei, ist eine Nebelfrage. Sie ist nicht an Aufklärung interessiert. Geht es um die Intention des/r SenderIn, oder  wies bei den AdressatInnen oder den EmpfängerInnen der Botschaft ankommt?  Geht es um eine moralische Bewertung oder um eine Beschreibung des Sachverhaltes. Geht es um gesellschaftliche Strukturen oder die beteiligten Personen? Hier wäre etwas Genauigkeit angesagt.</p>




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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 12:21:17 +0000</pubDate>
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In den 90ern wurden Verschärfungen im Fremdenrecht mit &#8220;Empörung&#8221; quitiert. Mehr Schubhaft &#8211; &#8220;SOS Mitmensch ist empört.&#8221; Empörung appeliert an vermeintlich geteilte ethische Standards.  Der Empörte bringt zum Ausdruck, dass ein Verstoß des Gegenübers gegen solche Standards massive Ablehnung bei ihm  auslöst. Die stark emotionale Reaktion erachtet der Empörte als gerechtfertigt, weil er von [...]


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<p>In den 90ern wurden Verschärfungen im Fremdenrecht mit &#8220;Empörung&#8221; quitiert. Mehr Schubhaft &#8211; &#8220;<a title="Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch" href="http://www.sosmitmensch.at" target="_blank">SOS Mitmensch</a> ist empört.&#8221; Empörung appeliert an vermeintlich geteilte ethische Standards.  Der Empörte bringt zum Ausdruck, dass ein Verstoß des Gegenübers gegen solche Standards massive Ablehnung bei ihm  auslöst. Die stark emotionale Reaktion erachtet der Empörte als gerechtfertigt, weil er von einer Übereinkunft über die Standards ausgeht.</p>
<p>Die realpolitische Machtlosigkeit, die aber mit dem Ausdruck von Empörung de facto meist verbunden war, wurde vom moralisch-politischen Gegner bald als &#8220;Alarmismus&#8221; oder &#8220;Hysterie&#8221;, der Empörte selbst als &#8220;Gutmensch&#8221; verhöhnt. Seit Ende der 90er ist kaum mehr wer empört.</p>
<p>Das &#8220;empörend&#8221; der 00er-Jahre ist &#8220;ekelhaft&#8221;.  Für das UN-Flüchltingshochkommissariat UNHCR ist etwa die geplante Verschärfung der Schubhaft-Bestimmungen &#8220;<a title="UNHCR: &quot;Massenhafte Schubhaft-Verhängung ekelhaft&quot;" href="http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/488714/index.do" target="_blank">ekelhaft</a>&#8220;. Auch hier bringt der Sprecher seine intensive und emotionale Ablehnung gegen einen ethischen Verstoß zum Ausdruck, allerdings geht er nicht mehr von einem geteilten Standard aus.</p>




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