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Wer a Tschusch ist, bestimmen no immer miar!



Warum tun sich manche so schwer, die Diskriminierung anderer anzuerkennen? Die afrikanische Community in Wien wehrt sich seit Jahren gegen die Verwendung vorurteilsbehafteter Produktbezeichnungen, weil diese von Menschen schwarzer Hautfarbe als beleidigend empfunden werden. Allerdings wurde diese Diskussion offensichtlich nur von einer kleinen Minderheit wahrgenommen, selbst an politischen Menschen wie dem Blogger Gerald Bäck ist sie vorbei gegangen. Man kann sich nicht für alles interessieren.

Wer sich diskriminiert fühlen darf, bestimmen wir!
Wenn nun aber ein Vertreter der Community, der Journalist Simon Inou aus aktuellem Anlaß öffentlich auf das Problem hinweist, verwundert es schon sehr, wer aller plötzlich ExpertIn dafür ist, was schwarze Menschen nicht verletzt. Dutzende KommentatorInnen ignorieren den Standpunkt der Betroffenen völlig und beschäftigen sich nur mit der eigenen Einschätzung der umstrittenen Begriffe.

Mehr noch: Opfer sind nicht mehr die Angehörigen systematisch diskriminierter Bevölkerungsgruppen, sondern “MehrheitsösterreicherInnen” wie Judith, weil sie angeblich von Political Corectness in ihrer Freiheit eingeschränkt wird. Die Diskriminierten hingegen geraten bei Mathias in den Verdacht, Kapital aus ihrer Lage zu schlagen und der Twitterer @zwischenruf weiß sich gegen die “Bevormundung” keinen anderen Helfer als – jetzt erst Recht – den Verzehr der betreffenden Speise anzukündigen. Mahlzeit.

Warum tun sich manche wirklich so schwer, die Diskriminierung anderer anzuerkennen. Ich glaube es gibt ein paar schlüssige Vermutungen. Hier vier davon:

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Ekelhaft ist das neue empörend



In den 90ern wurden Verschärfungen im Fremdenrecht mit “Empörung” quitiert. Mehr Schubhaft – “SOS Mitmensch ist empört.” Empörung appeliert an vermeintlich geteilte ethische Standards.  Der Empörte bringt zum Ausdruck, dass ein Verstoß des Gegenübers gegen solche Standards massive Ablehnung bei ihm auslöst. Die stark emotionale Reaktion erachtet der Empörte als gerechtfertigt, weil er von einer Übereinkunft über die Standards ausgeht.

Die realpolitische Machtlosigkeit, die aber mit dem Ausdruck von Empörung de facto meist verbunden war, wurde vom moralisch-politischen Gegner bald als “Alarmismus” oder “Hysterie”, der Empörte selbst als “Gutmensch” verhöhnt. Seit Ende der 90er ist kaum mehr wer empört.

Das “empörend” der 00er-Jahre ist “ekelhaft”.  Für das UN-Flüchltingshochkommissariat UNHCR ist etwa die geplante Verschärfung der Schubhaft-Bestimmungen “ekelhaft“. Auch hier bringt der Sprecher seine intensive und emotionale Ablehnung gegen einen ethischen Verstoß zum Ausdruck, allerdings geht er nicht mehr von einem geteilten Standard aus.